İstanbul – die zweite (13.09. – 18.09.)

Strassenverkaeufer ın Taksim

(S) In letzter Zeit hatten wir einige Probleme mit unserem Zelt, nach und nach sind 3 Stangen gebrochen und weitere haben sich verbogen, ausserdem regnet es bei starkem Regen durch. Also haben wir mit Vaude Kontakt aufgenommen und nach der Möglichkeit eines Umtausches oder Ersatzes gefragt. Da wir nun aber gerade in İstanbul weilen, schien die einfachste Möglichkeit zum lokalen Vaude-Vertrieb hier vor Ort zu gehen.


13.09. Judith und ich sind dann also ausgezogen ein Zelt zu tauschen. Wir setzten nach Asien über und begannen die entsprechende Strasse zu suchen. Alles in allem war das nicht ganz so leicht, wir hatten es bis dahin immer irgendwie versaeumt einen brauchbaren Stadtplan aufzutreiben (orientierten uns meist mit dem groben Plan in unserem Türkei-Reiseführer). Macht ja nix, die Türken sind in der Regel ja sehr hilfsbereit, fragen wir uns durch. Nach etlichen Kilometern (auf dem Übersichtsplan sah das eigentlich gar nicht so weit aus :-o ), erreichten wir die richtige Strasse. Nun noch – sollte ja ein Kinderspiel sein, suchten wir die Nummer 159-1. Irgendwann stellten wir entnervt fest, dass zwischen der 157/A und 161/A keine 159-1 existierte, auch kannte keiner der Leute, die wir bis jetzt gefragt hatten den Vaude – Laden „Bolkar Spor ev Kamp“.

alte und neue Nummern

Komisch. Des Ratsels Lösung war dann doch recht unspektakulaer: Vor kurzem wurde die Nummerierung der Haeuser geaendert, von blauen Nummern in rote Nummern. Also aenderten wir unsere Suchtaktik – in den Laeden fragten wir in 50m Intervallen die Besitzer nach ihren alten Nummern und kreisten so unser Ziel ein. Schliesslich standen wir vor der Hausnummer 139, ehemals 159-1. Blöd nur das es sich hier um eine Baustelle handelte, den Laden gab es wohl seit 5 Monaten nicht mehr. Ich war genervt, auch die Telefonnummer, das hatten wir schon vor Stunden herausgefunden, existierte nicht mehr. Um das gute Ende der Geschichte mal hier vorweg zunehmen: Nach einem kurzen Telefonat mit VAUDE Deutschland haben wir ein komplett neues Zelt bekommen. Das ist gerade auf dem Weg zu einem Freund in Deutschland und wird dann hoffentlich bald auch den Weg zu uns in die Türkei finden … Ab dann reisen wir wieder regensicher mit dem Vaude Mark V, unser Space IV ist wohl leider aus dem Programm genommen. Zur Entspannung gab es eine kurze Verschnaufpause in einem besseren Café. Dass es ein gehobeneres Lokal sein sollte hatte auch seinen Grund: Ich mag die einfachen Teehaeuser sehr gerne, die offenen Menschen und die nette Atmosphaere, allerdings haben die Betreiber und ich unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie wir unseren Hintern saeubern ;) . Ich mag Wasser, aber irgendwie bevorzuge ich hier doch Klopapier und saubere Haende … aus einem Reisebericht kam der Tip, vor allem weiter im Osten werden wir vermehrt darauf zurückkommen müssen, dass auch in der arabischen Welt in gehobenen Hotels optional Klopapier auf der Wassertoilette zu finden ist. Und nun ja – auch in hier in İstanbul ist dieses Extra mitunter nicht mehr selbstverstaendlich (ich habe einen recht anstrengenden Tag hinter mir, wo ich dies lernen musste)….

14.09. Mittlerweile sind wir nun schon über eine Woche in İstanbul. Die Stadt ist laut, sehr viel Verkehr und Menschen überall.

Stop-and-Go auf İstanbuler Strassen

Es gibt viel Schönes zu sehen in dieser lebhaften Stadt, wir allerdings sehnten uns mal wieder nach ein wenig Ruhe. Also fiel die Entscheidung auf die Princess Islands überzusetzen. Diese liegen nur 20 km südlich von İstanbul und mit einer Faehre in knap 1.5 h zu erreichen. Es gibt ein paar Haeuser, viel Wald, kleine Straende und keine Autos (!). Genau das was wir suchen. Vorher mussten wir aber noch ein paar Sachen in der Stadt besorgen. Ein bisschen Winterausrüstung, eine neue Regenplane und ein paar Fahrradteile. Was Outdoor Equipment angeht ist die Versorgungslage schwierig. Es gibt kaum Laeden und die sind meist sehr klein oder schlecht sortiert oder beides, auf jeden Fall recht teuer. Also wird das Paket, welches wir uns herschicken lassen neben dem Zelt, wohl auch Handschuhe und dicke Hosen enthalten. Der Kauf einer Plane verlief da schon erfolgreicher. Nach ein paar Nachfragem in kleinen Geschaeften, wo wir dem Personal teils türkische Worte an den Kopf schleuderten (wir besitzen jetzt ein kleines Taschenwörterbuch), teilweise mehr oder weniger aussagekraeftige Skizzen anfertigten, wurden wir zu einem kleinen Manufakturbetrieb im zweiten Stock eines unscheinbaren Hauses geschickt.

Unsere Planenmanufaktur

Baumaerkte oder grosse Einkaufszentren gibt es hier in dieser Stadt nicht. In einer kleinen „Schneiderstube“ arbeiteten fünf Menschen und einer, welchen ich als Chef identifizierte. Hier wurde die Plane nach unseren Wünschen zurecht geschnitten, vernaeht und mit Metallösen ausgestattet. Jetzt haben wir unsere massgeschneiderte Plane, fehlt nur noch Regen, so dass wir einen Unterstand bauen können, solange nutzen wir sie einfach als „Tischdecke“ … auch der Nachschub an Fahrradteilen fiel vorerst recht dürftig aus, aber immerhin sind wir nun stolze Besitzer von recht lauten Plastikhupen. Die niedlichen kleinen Klingeln, die bis hier unsere Lenker zierten wurden in einer solch lauten Stadt meist ignoriert. Nun fahren wir eben haertere Geschütze auf ….

15.09.-18.09. Nun packten wir unsere Sachen und stürmten die Faehre.

Wir verlassen İstanbul.

Inzwischen finden wir uns in İstanbul schon recht gut zu recht, selbst mit dem starken Verkehr können wir umgehen. Auch ein Spurwechsel durch vierspurige Autokolonnen ist inzwischen – teilweise mit Unterstützung unser lauten Tröten – möglich :) . Vom Schiff aus erahnte man die tatsaechliche Ausdehnung der Stadt. Wohin man auch blickte, Haeuser zogen sich entlang der Uferlinie und man konnte keine Stadtgrenze ausmachen. Um so mehr waren wir überglücklich als dann die kleinen Inseln vor uns auftauchten und tatsaechlich so romantisch im Marmara Meer vor uns lagen, wie wir uns das ausgemalt hatten. Wir entschieden die naechsten Tage auf Heybeliada, der zweitgrössten Insel zu verbringen. Hier gab es eine Marineschule, sieben kleine griechisch-orthodoxe Kirchen und wie auf allen Inseln ausser der Polizei und der Müllabfuhr keine Autos. Das öffentliche Transportmittel der Wahl war je nach Geldbeutel und körperlicher Verfassung eine Pferdekutsche (die meisten davon fuhren im Taxi Betrieb), ein Fahrrad oder einfach nur die eigenen Füsse. Umrundete man die Insel entlang der Küstenlinie legte man in etwa 7 km zurück. Wir verliessen den Ort und suchten einen Zeltplatz an einer abgeschiedenen Bucht, wo hoch auf einer Klippe eine kleine Kirche thronte.

Autofreie Strassen.

Apo, welcher mit seiner Familie dort wohnte, lud uns ein doch auf dem Gebiet der Kirche zu zelten. Gerne nahmen wir an, schliesslich war hier der Boden eben und wir konnten unser Zelt tagsüber auch unbeaufsichtigt lassen. Ausserdem gab es Wasser und unser dezenter Gastgeber gesellte sich gelegentlich zu uns und bot uns Kebab, süsses Dessert oder einfach nur ein Bier an. Apo steht im Dienst der Kirche, wo nun aufgrund der kleinen Gemeinde nur noch einmal die Woche ein Priester anreist und Gottesdienst haelt. Er pflegte das Grundstück und passte auf das alles mit rechten Dingen zuging. Die Tage auf der Insel spannten wir aus, wir badeten im Meer, erkundeten die Insel und wechselten Verschleissteile an unseren Raedern. Den Rest der Zeit verbrachten wir mit Lesen und schlafen … das war unser Urlaub vom Urlaub :) . Wir hatten Glück das nun die Nachsaison angebrochen war, im Sommer tümmeln sich hier am v.a. am Wochenende viele İstanbuler, die wie wir der Stadt entfliehen wollten, doch nun wirkte die Insel teilweise nahezu ausgestorben. Auf unseren Erkundungstouren rund um die Insel trafen wir dann noch auf den Waechter einer zweiten orthodoxen Kirche, auch er war, wie so viele Türken, für mehrere Jahre in Deutschland gewesen.

Felsige Küste.

Ausser dass er für die Kirche verantwortlich war, betrieb er noch einen Fahrradverleih, der aber wegen der breits beendeten Saison schon geschlossen hatte. So verbrachten wir einen Nachmittag im Kirchinnenhof, sammelten Weintrauben und redeten über Gott und die Welt. Wiedermal erlebten wir das auch in griechisch-orthodoxen Gemeinden Frauen keine glerichberechtigte Rolle spielen. Auf der einen Seite war Judith nicht erlaubt den Altarraum der Kirche zu betreten, zum anderen blieben wenig Zweifel, dass zumindest Sortiri der Meinung war, dass die Hauptaufgabe der Frauen gutes Aussehen und die Erziehung der Kinder ist. Wie allgemein diese Meinung ist wissen wir natürlich nicht, Judith auf jeden Fall fand diese nur minder amüsant *grins.

Nach 2 erholsamen Tage kehrten wir dann wieder nach İstanbul zurück. Auf der Faehre trafen wir 5 Australier, die nach 4 Wochen Urlaub, der sie quer durch Europa führte, genau wie wir ein wenig Ruhe und Entspannung auf den Inseln gesucht und gefunden hatten. Sıe hatten beı der Suche nach eınem Stadtplan weit mehr Enthusiasmus an den Tag gelegt als wir und schenkten uns eınen der ihren.

Ankunft bei Cathy

Nun mıt besseren Kartenmaterıal ausgestattet, schlaengelten wır uns entlang der Haupt- und Nebenstrassen und erreichten Kathy, eine Kanadierin, unsere Gastgeberin für die naechsten Tage. Diesmal liegt unser Heim naeher im Zentrum, innerhalb der byzantinischen Stadtmauern und verfügt über einen kleinen Garten, so dass wir diesmal unsere Raeder nicht in irgendwelche höhergelegenen Stockwerke tragen mussten.
Den Abend verabschiedeten sich unsere Gastgeber, sie waren bei Freunden zu einem Festessen geladen. Schliesslich ist gerade Fastenzeit und da wird nach Sonnenuntergang geschlemmt ohne Ende. Wir nutzten den Abend um uns mit Benjamin zu treffen, diesen hatten wir kurz auf Heybeliada getroffen und er war in für eine Woche hier mit seiner Mutter im Urlaub. Wir picknickten am Ufer des Marmara Meeres und entdeckten die Fitnessgeraete am Wegesrand.

Nachts auf İstanbuler Fitnessspielplaetzen

Wir hatten diese immer für Kinderspielplaetze gehalten, allerdings stellten sie sich als recht gut ausgestattete Open-Air Sportgeraete heraus … nichtsdestotrotz nutzten wir diese als Spielgeraete und liessen nachdem wir dann doch recht erschöpft waren, den Abend bei Bier und Raki in Benjamins Hotelzimmer ausklingen.

Soweit unsere dritte Meldung aus İstanbul, übermorgen gibts dann hoffentlich die Visa für die Weiterreise. Solange drückt uns mal fest die Daumen ;) ….

Viele Grüsse von Judith, Hannes und Sven

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