Wir haben unsere ersten Visa (19.09. – 22.09.)

Unsere Visa

(J) Bald ist es so weit. Bald verlassen wir İstanbul. Bald werden wir wieder auf unseren Fahrraedern sitzen und die Welt entdecken. Wir können es schon kaum mehr erwarten.

19.09. und 20.09. Am Dienstag den 18.09. hatten wir die Princess İslands verlassen, weil wir noch einiges für unsere Weiterreise besorgen und organisieren wollten, schliesslich aber auch um unsere Visa vom iranischen Konsulat abzuholen und um möglichst bald weiter Richtung Osttürkei zu radeln. Doch dann ist einiges passiert, mit dem wir nicht gerechnet hatten, …


und was unsere Weiterreise um einige Tage nach hinten verschob. Nachdem Hannes und ich uns am Mittwoch um einige Ersatzteile für die Fahrraeder gekümmert hatten und dabei zu unserer Erleichterung auch einen gut sortierten Fahrradladen mit einem kompetenten Verkaeufer fanden und nachdem Sven unterdessen unseren letzten Blogeintrag geschrieben hatte, erfuhren wir am Donnerstag in der iranischen Botschaft, dass wir unsere Visa bekommen würden. Was für eine Erleichterung. Ja, aber … . „Bitte kommen Sie morgen wieder, dann können Sie ihre Paesse mit dem gültigen Visum hier abholen.“ Damit hatten wir nicht gerechnet. Perplex verliessen wir den freundlichen Herren hinter der Plexiglaswand und verabschiedeten uns mit einem Laecheln auch bei der Wache. „Gebe im İran niemals deinen Pass aus der Hand! Selbst dann nicht, wenn dich die Polizei dazu auffordert“, das hatten wir gelesen und jetzt standen wir doch ohne Pass da. Einen Augenblick lang dachten wir über die Möglichkeit nach, dass uns jeden Augenblick ein türkischer Polizist dazu auffordern könnte, uns auszuweisen. Was wüerde passieren, wenn wir berichteten, dass wir es nicht koennten? Was würde passieren, wenn wir die Paesse nicht wieder bekaemen? Doch schliesslich verwarfen wir diese Gedanken und freundeten uns damit an, einen weiteren Tag in İstanbul zu verbringen. So setzten wir uns zufrieden auf eine schattige Bank und packten unser Frühstück aus.

Menschenmassen in der blauen Moschee

Weil das iranische Konsulat nicht weit von den zwei vielleicht bekanntesten Denkmaelern dieser mehr als zweitausend Jahre alten Stadt liegt, hatten wir schon lange geplant, heute zunaechst die Blaue Moschee, dann die Hagia Sophia zu besichtigen. Beide Bauten sind beeindruckend, sowohl in ihrer gewaltigen Architektur, als auch als Kunstwerk und in ihrem Alter. Die Blaue Moschee ist heute İstanbuls Hauptmoschee und in dieser Funktion zur Gebetszeit für glaeubige Muslime jederzeit zugaenglich. Touristen jedoch werden über einen Nebeneingang in den riesigen Raum geleitet. So mussten wir uns zunaechst in die Schlange der Nichtmuslime einreihen, bevor wir angewiesen wurden unsere Schuhe auszuziehen und die Knie und Schultern zu bedecken. Tücher wurden zu diesem Zweck bereit gestellt. Obwohl an den Tafeln vor dem Eingang auch darum gebeten wurde, dass Frauen einen Schleier tragen, war ich überrascht, wie wenig darauf geachtet wurde, dass auch dieser Bitte entsprochen wurde. Kaum eine Nichtmuslimin trug ihre Haare bedeckt.

Blaue Moschee von innen

Auf einem dicken, roten und flauschig weichen Teppich betraten wir die Moschee. Vielleicht sind es diese Teppiche, die den Hall der Stimmen schlucken, vielleicht sind es die grosszügigen rot-blauen Muster, die leuchtend von den Kuppeln strahlen, jedenfalls verspürte ich auch in dieser Moscheen, wie schon einige Tage zuvor schon in der Fathi-Moschee, kein Gefühl der Erfürchtigkeit oder der Erhabenheit, wie ich es von den hallenden, himmelwaerts strebenden christlichen Kathedralen kenne. Statt dessen rückte auch hier durch die Barfüssigkeit, die Waerme des Teppichs und durch die kugelförmige Architektur des Bauwerks mehr eine engere Verbundenheit mit den Mitmenschen in den Vordergrund. Und sofort spürte ich diese Mitmenschen auch schon wieder in meinem Rücken. Sie draengten von hinten und versperrten die Sicht nach vorne. Die Luft war erfüllt vom Blitzlicht ihrer Fotoapparate und ihren kaum zurückgenommenen Stimmen.

In der Hagia Sophia

Auch die Hagia Sophia war lange Zeit eine Moschee, doch gebaut wurde sie als christliche Kirche vor etwa 1700 Jahren. Nun ist sie ein Museum, dass sich darum bemüht, die übermalten byzantinischen Mosaike wieder frei zu legen, ohne den muslimischen Einfluss vieler hundert Jahre zu unterschlagen. Wir hielten uns lange Zeit in diesem Gebaeude auf, weil uns sein Alter und seine wechselhafte Geschichte beeindruckte. Aber auch, weil uns die vielen Mosaiken faszinierten, die einmal das ganze Gewölbe ausgekleidet haben müssen.

Musizieren am Abend

Mit einem Çay in einem Teehaus unseres Aufenthaltsviertel und gemeinsamem Musizieren mit unseren Gastgebern beendeten wir den Tag.

21.09. Am folgenden Tag, dem Freitag, bekamen wir unsere Visa. Ein kleines Papier in arabischer und lateinischer Schrift ziert nun eine Seite unseres Passes. Zwischen dem 20.09. bis zum 19.12. dürfen wir in den İran einreisen und ab der Einreise einen Monat im Land verbringen. Eine Verlaengerung des Visums im İran sollte jedoch kein Problem darstellen, wie man uns im Konsulat bestaetigte. Wir hatten unser erstes Visum für diese Reise! Nun kann es weiter gehen!
İm Laufe des Tages erfuhren wir jedoch auch mit Sicherheit, dass uns meine Eltern am Sonntag hier in İstanbul besuchen werden.

Unser gemütlicher Innenhof

Schon seit zwei Tagen wussten wir, dass sie es sich überlegten, doch wirklich gerechnet hatte ich damit nicht mehr. Was für eine schöne Uberraschung! Hoffentlich bleibt das Wetter so schön, wie es die ganze Zeit gewesen ist. Leider hat sich aber bis Dienstag Regenwetter angekündigt.

22.09. Den ganzen Samstag verbrachten wir damit, Sachen auszusortieren und Briefe zu schreiben. Am Abend aber sassen wir zu dritt im İnnenhof unserer Gastgeber, unterhielten uns und spielten Gitarre.

Viele von euch Lesern haben uns in der letzten Zeıt gefragt, wie wir nun weıterfahren. Wir wissen es immer noch nicht sicher. Aber İndien, Nepal und Tıbet steht zur Zeit an erster Stelle unserer Traeume. Doch wie kommen wir durch Pakistan? Mıt dem Fahrrad? Das scheint ausgeschlossen. Mit dem Schiff, mit dem Buss oder mit dem Flugzeug? Wir werden uns weiter umhören, in der Welt herumtelefonieren und im İnternet surfen und wenn wir mehr wissen, dann sagen wir euch Bescheid.
Aber etwas anderes steht für die naechste Zeit fest. Hannes wird sich für eine Weile von Sven und mir verabschieden um das Alleinreisen für sich zu entdecken. Ausserdem haben wir Simon aus Braunschweig getroffen. Er sass mit einer gebrochenen Nabe in einem Fahrradladen fest. Auch er will weiter durch den İran und dann nach İndien. Vielleicht fahren wir mit ihm zusammen weiter. Man wird sehen.

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