H: Nepal (02.02. – 17.02.)

Ausblick auf den Himalaya

Das nepalesische Visum erhielt ich ohne Probleme, nach einer Viertelstunde und um 30$ aermer begab ich mich zurueck auf die Strasse. Nepal ist geografisch grob in drei Bereiche einzuteilen, das Teraigebiet, das Flachland, welches an Indien grenzt, das Bergland mit Kathmandu und Pokhara und last but not least das Himalayagebiet.
Hier war der Flachlandstreifen nur 20 km breit und erstreckte sich bis zur Stadt Butwal. Obwohl schon recht fertig, kaempfte ich mich dorthin, weil mal wieder alles dicht besiedelt war. Endlich angekommen nahm ich nach einigem Suchen ein billiges Simpelsthotel und machte mich zu einer kurzen Einkaufsrunde in die Stadt auf. In einem Internetcafe sprach mich Janak an und wir kamen ins quatschen.

Flusslandschaft

Er ist ein 20jaehriger Heavy-Metal -Undergroundband-Saenger. Er lud mich zu sich nach Hause ein (seine Eltern waren ein paar tage ausser Haus), aber ich sah mich nicht mehr in der Lage meinen ganzen Kram noch einmal einzupacken und durch die Gegend zu kutschieren. Stattdessen gingen wir zu ihm und seine Schwestern kochten ein leckeres Abendmahl (Er selbst kann nicht mal Reis kochen, meinte er halb bedauernd. Wie solle er es auch lernen, wenn staendig eine Frau [Mutter/Schwester] da sei, die es uebernaehme). Der Abend verlief angenehm und zeigte mir ein paar der Probleme und Sorgen, mit denen man als nepalesischer Jugendlicher konfrontiert sein kann.

Ab in die Berge!

Schon am Abend, als ich in die Stadt hineinfuhr, konnte ich am diesigen Horizont Berge ausmachen. Ein Anblick, den ich schon seit Wochen entbehren musste. Und tatsaechlich ging es am naechsten Tag gleich richtig zur Sache. Eine gewundene Strasse schlaengelte sich entlang eines Flusslaufes in die Hoehe. Und was fuer eine Landschaft: Berge, Baeume, Bambus, Gruen, Fluesse und ich mittendrin. Ein wahrer Balsam fuer meine Seele, nach den eintoenigen Wochen in Nordindien. Gern strampelte ich dafuer etwas mehr. Ein weiteres Highlight waren die Menschen. Im Gegensatz zu draengenden Neugier der Inder, wurde ich hier nicht andauernd bestuermt und bedraengt.

Nachtlager im Nebel

Alle waren freundlich, liessen mir aber auch das Gefuehl ein normales menschliches Wesen zu sein. Ich konnte sogar in einem Starssenrestaurant essen, ohne dass ich oder mein Fahrrad in einem Belagerungszustand endeten. Kurz und gut: Ich fuehlte mich so wohl wie schon lange nicht mehr. Die Nacht verbrachte ich nach einem langen Anstieg mit mueden Beinen auf der Kuppe eines Huegels (am Abend hatte ich nicht mehr gesehen, dass es zwei Meter weiter wieder nach unten ging). Verstecken war nicht moeglich, links eine Schlucht und rechts eine Felswand, aber wie schon in Indien wurde ich nicht weiter gestoert.

japanischer Radler

Durch die abendliche Feuchtigkeit gewarnt, fabrizierte ich mit meiner Plane einen behelfsmaessigen Unterstand. Am naechsten Morgen war es meganeblig und schweinekalt. Doch ich lag, dank der Plane, relativ trocken und geschuetzt :-) . Trotzdem trug ich, als ich startete, nahezu alle Klamotten, die ich besass, am Leibe, denn der dichte Nebel sog mir die Waerme aus den Knochen. So legte ich keine zwei Doerfer spaeter eine Teepause ein. Waehrend ich vor mich hin schluerfte, kam aus der entgegengesetzten Richtung ein bepackter Radfahrer gestrampelt. Yusuke aus Japan war auf einer 3woechigen Reise durch Nepal und Nordindien unterwegs und wir tauschten ein paar Erlebnisse aus. Bevor wir uns wieder auf die Raeder schwangen, empfahl er mir noch einen kostenlosen Campingplatz zwischen Pokhara und Kathmandu. Nach einem weiteren wunderschoenen Tag in den Bergen langte ich in Pokhara an. Obwohl touristisch wohl erschlossen, bietet sie ein ruhiges Flair was nicht zuletzt an dem zweitgroessten See Nepals liegt, an dessen Ufer die Stadt sich befindet.

tibetisches Neujahrsfest mit Rokhsi

Ich blieb 3 Tage in der Stadt und konnte zum ersten Mal seit langem mal wieder die Seele baumeln lassen, was ich auch ausgiebig tat. Die Tage waren gepraegt vom Umherschlendern, einer Bootsfahrt auf dem See, einer kurzen Hoehlenwanderung und der Organisation eines Zeltes. Draussen schlafen funktioniert zwar ganz gut, nur leider ist der Schlafsack am naechsten Morgen oft nicht ganz trocken, so dass er tagsueber in einer Pause zum Trocknen aufgehaengt werden muss. Aber wenn die Sonne mal nicht scheint… Wie auch immer, nach etlichen Outdoorlaeden erwarb ich ein mir genehmes Expemplar der Gattung Zelt. Einfach, dafuer aber bezahlbar. Waehrend der Zeit in der Stadt fand das tibetische Neujahrsfest statt. Der Besitzer meines Hotels kommt urspruenglich aus Tibet. Als ich an besagtem Abend „nach Hause“ kam, flackerte ein Feuer auf dem Hof und ein paar Flaschen Rokhsi machten die Runde. Ich hab zwar nicht genau verstanden, aus welcher Pflanze der Trunk gemacht wird, aber alkoholfrei ist er mit Sicherheit nicht ;-) .

Strasse im Morgennebel

Auch die Strecke zwischen Pokhara und Kathmandu nahm zwei Tage in Anspruch. Nur leider war die Strasse nun nicht mehr so schoen, da es die Hauptverbindungsstrecke zwischen diesen beiden groessten Staedten Nepals ist. Deswegen legte ich mich auch ins Zeug, den von Yusuke empfohlenen Lagerplatz zu erreichen. Es handelte sich um ein Raftingcenter. Ueber eine lange Haengebruecke liess sich der Fluss ueberqueren und unten am Ufer durfte ich mein Zelt aufschlagen. Mir war zu dem Zeitpunkt zwar noch nicht ganz klar, wie ich am naechsten Morgen meinen ganzen Krempel wieder hoch zur Bruecke bugsieren wuerde koennen, aber „Kommt Zeit, kommt Rat.“, sagte ich mir. Den Abend verbrachte ich zusammen mit ein paar Dorfbewohnern und den beiden britischen Freiwilligen (engl: volunteers), die in der Schule des Ortes die Kinder unterrichteten. Sie erzaehlten mir ein wenig ueber ihre Arbeit mit den Kindern. Tatsaechlich traf ich eine ganze Menge volunteers in Nepal. Sie kommen vor allem aus Europa und dienen ein paar Wochen oder auch Monate.

Ausblick von meiner Fruehstuecksterasse

So lernt man Land und Leute natuerlich viel intensiver kennen, als als normaler Reisender und tut zudem etwas fuer die Entwicklung dieses Landes. An diesem Abend gab auch meine Kopflampe entgueltig ihren Geist auf. Bloeder Mist. Schon in Dubai hatten wir einen Kabelbruch repariert. Ich schaffte es gerade noch vorm Verloeschen der Kerzen, die ein lieber Mensch vor meinem Zelt aufgestellt hatte, sie noch einmal notduerftigst zu flicken. Als Kopflampe ist sie aber nun nicht mehr zu gebrauchen und ich besorgte in Kathmandu eine Neue. Bevor ich aber die Stadt erreichte machte mir noch ein etwas unerwarteter Berg das Leben schwer. 3-4 Stunden brauchte ich, um ueber den Pass zu kommen und entsprechend fertig war ich auf dem Gipfel. Puh!

Tieropfer in einem Kalitempel
nahe Kathmandus

In Kathmandu fand ich ein billiges Zimmerchen, das allerdings durch die nahe gelegene Dachterasse aufgewertet wurde. Von dort hatte ich einen guten Ausblick ueber den Durbarsquare. Der alte Platz im Herzen Kathmandus, auf dem die Koenige inthroniert wurden und der von Tempeln nur so strotzt. Das trifft im uebrigen auf die ganze Stadt zu. Allein wenn ich nur Einkaufen ging, passierte ich eine Unzahl tw. sehr, sehr alter Tempel, die manchmal mit Blumen als Opfergaben geschmueckt sind, manchmal einsam und scheinbar vergessem neben dem ganzen Trubel der Strasse stehen oder auch als Auslage fuer Strassenhaendler dienen. Unglaublich. Die ersten Tage waren mit der weiteren Reiseplanung ausgefuellt. Nach einigen Nachforschungen musste ich meinen Plan nach Myanmar zu reisen leider aufgeben. So wie es aussieht, sind alle Landgrenzen dicht. Und auf Rein- und Rausfliegen habe ich keine Lust.

Und wieder gehts fuer Louis in die Kiste

Nachdem das geklaert war, galt es einen Flug fuer mich und Louis nach Bangkok zu organisieren. Schliesslich entschied ich mich, diesmal die Hilfe einer Cargocompany in Anspruch zu nehmen. Als alles geklaert war konnte ich mir noch ein wenig Entspannung goennen und buchte einen 2taegigen Raftingtrip auf dem Tirsuli. Dieser Fluss kam zwar in den Bewertungen nicht soo gut weg, weil er parallel zu dem Highway zwischen Kathmandu und Pokhara verlaeuft und auch relativ ruhig ist. Da ich aber kein Angebot fuer einen anderen Fluss finden konnte und es ausserdem recht guenstig war, gab ich ihm eine Chance. Normalerweise besteht die Besatzung eines Raftingbootes aus 6-8 Passagieren und dem Steuermann. Dieser sollte den Fluss kennen, da er die ganze Geschichte durch die Stromschnellen dirigiert.

Peter der Australier

Dazu gibt er Kommandos wie: „Forward!“ (alle paddeln vorwaerts), „Stop!“ oder „all back!“ (alle paddeln rueckwaerts). Am ersten Tag waren wir allerdings nur zu zweit. Peter aus Australien und ich mussten also ganz schoen arbeiten, um das grosse Gummiboot durch die Stromschnellen zu wuchten. Aber gerade deswegen gefiel es mir besonders gut . Am Abend gab es leckeres Essen im Heim vom Guide und Peter und ich verquatschten den Abend bevor uns in Zelt verkrochen, welches neben dem Fluss stand. Am naechsten Tag bekamen wir Verstaerkung. 3 Englaender und ein Franzose stiessen zu uns, so dass wir diesen Tag voll besetzt starteten. War auch ganz gut, denn der Gegenwind war noch staerker als am Tag zuvor. Wenn ich daran denke, das zu zweit bewaeltigt haben zu muessen…

Wie geht es weiter?

Auf dem Rueckweg nach Kathmandu kam ich mit meinem Sitznachbarn ins Gespraech. Ein buddistischer Trekking- und Mountainguide. Er lud mich zu seinen Eltern nach Hause ein. Leider wurde daraus nichts, weil die Telefonnr. die er mir gegeben hatte nicht so recht funktionieren wollte. Als ich in mein Hotel zurueck kam, waren mittlerweile neue Gaeste angekommen. Melodie und Ann aus Frankreich. Zusammen mit Mike, einem canadischen Reisenden verbrachten wir die letzten Abende gemeinsam mir Essen, Whiskey und tw. sehr anregenden Gespraechen uebers Reisen und wie unterschiedlich Menschen leben und die Welt sehen koennen.
Jetzt freue ich mich auf Thailand, schliesslich muss ich ja auch mal in den indischen Ozean springen. Mein Plan ist es, nach Bangkok zu fliegen, von dort mit dem Zug nach Sueden zu fahren und dann wieder nach Norden zu radeln. Dann geht weiter ueber Laos bis nach China…

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