H: Murphys Gesetz (01.04. – 08.04.)

Eingangsbereich des Vat Pramahatthat

In Luang Prabang angekommen, zottelte ich die ersten beiden Tage durch die Stadt, um sie ein wenig kennenzulernen und um weitere Plaene zu machen. Ich beschloss einen Ausflug zu den Kuang Si Wasserfaellen zu machen und danach vielleicht noch einige Hoehlen am anderen Flussufer zu erkunden. Die Stadt selbst ist, gemessen an ihrem Bekanntheitsgrad recht klein (einwenig mehr als 50000 Einwohner), aber unglaublich reich an aufwendig verzierten Tempeln. Der Grossteil der Moenche, die ich hier gesehen habe, ist jugendlich. In Laos gehoert es fuer Maenner auch zum guten Ton, wenigstens eine kurze Zeit im Leben die Kutte ueber zu streifen.

Tempeldetail

Allerdings werden hier die Dinge nicht so streng ernsthaft gehandhabt wie in Thailand. Das liegt zum grossen Teil daran, dass die kommunistische Regierung, gerade in ihrer Anfangszeit, versuchte den Einfluss der Religion aufs Volk zu verringern (scheint ein Standardverfahren nach der Machtuebernahme kommunistische Regime, respektive solcher, die sich als kommunistisch bezeichnen, zu sein). Das ist zwar nicht gelungen (sogar Hammer und Sichel im Wappen, mussten einem buddhistischen Symbl weichen), hat aber auh die religioese Disziplin etwas aufgeweicht.

Wassertreppen

Bevor es nun zum Wasserfall ging, wollte ich mich noch einmal an der hinteren Schaltung versuchen, die immer noch nicht zufriedenstellend arbeitete. Nach kurzem Werkeln machte es ‘Plong’ und der Bowdenzug war entgueltig gerissen. Dieses war auch die Ursache fuer die vorherigen Schwierigkeiten gewesen und war durch einfaches Tauschen zu beheben. Als ich mich am naechsten Morgen auf den Weg machte, wunderte ich mich zunaechst, dass das Radfahren auf einmal so anstrengend geworden war. Aber wenigstens funktionierte die Schaltung wieder. Die Wasserfaelle selbst liegen in einem Park in dem es sogar ein paar sehr schone Badestellen gibt. Wie aus dem Prospekt und landlaeufig mit dem Wort paradisisch umschrieben wird. Leider macht alleine Baden nicht so recht Laune und wandte so ich mich lieber meinen mitgebrachten Leckereien zu.

Schwimmen in der blauen Lagune

Als ich meine Schuhe auszog, musste ich feststellen, dass sich mittlerweile ein recht gut gefuellter Blutegel an meinem Fuss guetlich tat. Ich kratzte ihn mit der Messerspitze weg und er hielt sofort nach neuer Nahrung Ausschau (Video). Als ich mich umsah, sah ich auch am Boden noch ein paar mehr von den Viechern umherrobben. Wenn sie mal wenigstens im Wasser bleiben wuerden. *brrr*
Auf dem Rueckweg nahm meine Erschoepfung immer weiter zu und wieder daheim, musste ich festellen, dass ich ein wenig Fieber bekommen hatte. Waren aber nur leicht ueber 38 Grad, so dass ich es selbst auskurieren wollte. Ich blieb gleich im Bett und gegen Abend war es auch schon bedeutend besser. Allerdings hatte sich der Zustand ueber Nacht kaum weiter gebessert, so dass an den geplanten Ausflug zu den Hoehlen nicht zu denken war.

Tempelgebaeude auf dem Gelaende
des Nationalmuseums, unten am
Bildrand: der beginnende Nachtmarkt

Bei einer kurzem Ausflug in die Stadt gab es dass naechste Problem mit der Schaltung: Eine Richtung war blockiert und ich konnte nicht mehr auf das naechsthoehere Ritzel wechseln. Nach 2 Stunden rumdoktorn entdeckte ich endlich, dass eine kleine Feder gebrochen war. Ich machte mich also wieder auf den Weg in die Stadt, um Ersatz zu beschaffen. Beim Gang ueber den Markt traf ich auch Frank und Susanne wieder. Frank, ganz der leidenschaftliche Schrauber, der er ist, wollte sich sogleich das Problem mit der Feder mal ansehen und so verabredeten wir uns fuer den naechsten Morgen. Im Moment naemlich wollte ich nur noch ins Bett, da mittlerweile recht nervige Kopfschmerzen zu meinen Plagen hinzugekommen waren.

Susanne und Frank

Nach einem schoenen Fruehstueck mit aufgebackenen Baguettes, konnte mir Frank tatsaechich weiterhelfen. Durch seinen Kennerblick eroeffnete sich eine Moeglichkeit die Feder zu wechseln, statt den ganzen Schalthebel auszutauschen. Fuer den haette ich auch nicht passenden Ersatz gefunden. So aber fand ich in einem Elektronikladen einen Bastler, der mir eine Feder einigermassen passend zurechtbog. Nun funktioniert die Schaltung wieder, wenn auch ein wenig mehr Fingerspitzengefuehl von Noeten ist. Da es mir immer noch nicht wirklich besser ging, verbrachte ich den Grossteil des Nachmittags bei Frank und Susanne, wo wir ueber Gott und die Welt philosophierten. Es war mal wieder schoen mit jemandem ueber diese Themen, der mal zur Abwechslung an die Evolutionstheorie glaubt und die Welt nicht durch Geister, Goetter oder anderen Glauben erklaert.

Teil des Kuang Si Wasserfalls

Unterbrochen wurde die Diskussion durch eine Wasserschlacht mit der oertlichen Jugend (Video). In ca. einer Woche ist hier buddhistisch Neujahr, bei dem es als gluecksbringend gilt mit Wasser uebergossen zu werden. Mittlerweile probt hier schon jeder kraeftig und es ist reine Glueckssache von einem Ort zum naechsten zu gelangen ohne getraenkt zu werden. Der Freibrief zum Spritzen hat aehnliche Auswirkungen wie der Freibrief zum Knallen bei uns zu Sylvester: In fast jedem Laden kann man mittlerweile Wasserpistolen oder besser gesagt, Wassergewehre kaufen, unabhaengig davon, was der Laden sonst fuehrt. Ueberall stehen kleine Gruppen meist Jugendlicher herum und warten darauf vorbeigehende oder -fahrende Passanten zu befeuchten.

traditionelles laotisches Prachthaus

Eben das wurde mir am 5.4. zu einem weiteren Verhaengnis: wieder mal eine dieser Gruppen vor Augen, wollte ich schnell mit dem Rad vorbei und Ausweichen. Leider hatte ich in der Eile des Gefechts die nasse Strasse nicht im Hinterkopf und sondern stattdessen am Kinn. Beide Raeder rutschen weg und ich knallte auf den Asphalt. Jede Menge Schuerfwunden und eine Fleischwunde am Kinn waren das Resultat. Sofort waren ein paar Leute bei mir, die mir zum Krankenhaus halfen, welches keine 50m entfernt war. Leider war es nur fuer Laoten geoeffnet und ich musste in ein anderes, welches einige Kilometer entfernt lag.

Frisch verarztet ist halb geheilt

Da die Wunde am Kinn nicht uebermaessig stark blutete, fuhr ich selbst dorthin und liess mich verarzten. Das Krankenhaus ist sehr neu und recht modern ausgestattet, ein Gemeinschaftsprojekt von Laos und China. Die Wunde wurde schnell genaeht und mein Arm gut mit Jod eingepinselt, so dass ich nach einer Stunde wieder das Krankenhaus verlassen konnte. Witzig fand ich, wie ein ganzer Haufen Schwesternschuelerinnen meinen Bart auseinander hielt, damit die Aerztin die Wunde naehen konnte. Ich hatte vorher naemlich gebeten, so wenig wie moeglich davon zu entfernen. Demzufolge war danach auch kein Platz vorhanden, um den Wattebausch, der auf die Wunde sollte festzukleben. Also wurde auch er einfach mit 4 Stichen angenaeht ;-) . Das Fieber war an diesem Tag leicht zurueckgegangen, so dass ich dachte, dass an dieser Front die Zeichen auf Besserung stuenden, aber weit gefehlt. Die naechsten Tage kam es mit verstaerkter Wucht wieder und als ich am 7.4. wieder zum Krankenhaus fuhr, um die Wunde nachversorgen zu lassen, liess ich auch gleich diese Problematik untersuchen. Anscheinend werden hier Auslaender etwas bevorzugt behandelt.

nachmittags in Lung Prabang

Ich musste quasi nie warten und wurde immer an den Massen vorbei gefuehrt. Dafuer gelten fuer uns aber auch andere Tarife. Jedenfalls ergab der Bluttest nichts Eindeutiges, wies aber auf wahrscheinliche Vorhandensein eines Virus hin. Zusaetzlich meinte die Aerztin waere eine Infusion sinnvoll, um gegen die Kopfschmerzen vor zu gehen und so lag ich die naechsten 6 Stunden auf einer Liege und liess mir die Ader voll troepfeln. Zum Glueck hatte ich mir ein Buch mit gebracht.
Heute, am 8.4., bin ich das erste Mal fieberfrei aufgewacht und auch die Kopfschmerzen sind stark zurueckgegangen. Morgen gehts nochmal ins Krankenhaus zum entgueltigen Faedenziehen und wenn es den ganzen Tag gut laeuft, koennte ich danach mal wieder vom Radfahren traeumen…

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