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| Nicht nur Radreisende sind hier unterwegs. |
Nach einem weiteren Tag Ruhepause ging es fuer mich am 10.4. wieder erholt auf die Piste. Zehn Tage hatte ich letztendlich in Luang Prabang verbracht, bei weitem mehr als geplant. So wuerde es nun auch nicht mehr zu schaffen sein, rechtzeitig zum Wasser-Spritz-Festival in Jinghong in China anzukommen. Aber das liess sich ja nun nicht mehr aendern. Ich war froh, dass es am ersten Tag nicht gleich allzu steil weiter ging. Recht entspannt kurvte ich weiter nach Norden. Einzig die aschegeschwaengerte Luft truebte im wahrsten Sinne des Wortes den Fahrspass ein wenig. Entlang des Weges wurde auf grosse Flaechen das Unterholz abgebrannt. So beschloss ich am Abend ein Guesthouse aufzusuchen, um die schmierige Ascheschicht abwaschen zu koennen. Am Kreuzungspunkt in Pakmong machten auch einige andere Reisende Station, da hier manchmal der Bus gewechselt werden muss. So plauderte ich zum Abendessen ein wenig mit einer deutschen Reisenden, als ploetzlich zwei weitere Radreisende auf der Suche nach einer Unterkunft fuer die Nacht die Strasse entlang kamen. Ich winkte sie heran und empfahl meine preiswerte Bleibe.
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| Asche auf mein Haupt. |
Es stellte sich heraus, dass die beiden ebenfalls auf dem Weg nach Beijing waren. Das polnische Paerchen, Joanna und Bartek, war in Bangkok gestartet und hatte schon die ganze Suedostasientour mit Thailand, Kambodia, Vietnam und nun Laos hinter sich. Da wir die naechsten Tage die gleiche Strecke haben wuerden, beschlossen wir, wenn wir alle am naechsten Morgen in etwa zeitgleich los kaemen, zusammenzufahren. In der Tat radelten wir die ganzen naechsten 5 Tage zusammen bis nach Jinghong, der Hauptstadt der suedlichsten Region Yunnans, der suedwestlichsten Provinz Chinas. Zunaechst aber hatten wir noch einige Tage in Laos vor uns, die uns nun wieder mit gepfefferten Anstiegen und schlechter werdenden Strassen einiges abverlangten. Gleich am ersten Tag fielen wir alle drei fix und fertig in unsere Betten. Fuer mich war es wieder ein ganz anderes Gefueh in einer Gruppe zu fahren. Bisher war es ja nicht so, dass ich voellig allein gewesen waere, schliesslich trifft man hier recht viele Leute, aber beim Radfahren war ich bisher mein eigener Herr gewesen und ich war gespannt darauf, wie es nun wieder in der Gruppe funktionieren wuerde. Meine Bedenken waren unbegruendet, wie sich heraus stellte. Wir alle drei hatten das gleiche Fahrtempo und Pausenvorstellungen. Witzigerweise haben auch Bartek und Joanna blaue bzw. rote Packtaschen, genau wie Sven und Judith
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| Schlitten fuer die Wege abseits der laotischen Strassen |
Am 13.4. naeherten wir uns am Mittag der chinesischen Grenze. Kurz davor mussten noch einge restliche laotische kip ausgegeben werden und wir kehrten in ein chinesischen Strassenrestaurant ein. Sogleich wurden wir mit einer typisch chinesischen Schwierigkeit konfrontiert: Reis und Suppe nur mit Staebchen! Bisher gab es immer einen Loeffel dazu. Die Suppe ist ja noch recht unproblematisch, die Nudel lassen sich prima mit den Staebchen einsammeln und das Fluessige schluerft man eben direkt aus der Schuessel. Aber der Reis, der leider Gottes nicht klebrig ist, ist eine echte Herausforderung mit der wir immer noch kaempfen. Wenigstens ist man auf diese Weise gesuender, da es unmoeglich ist zu schlingen.
Die Grenzformalitaeten verliefen einigermassen unproblematisch. Der Beamte sah sich zwar meinen Pass aufs genaueste an, liess sich saemtliche unbekannten Stempel erklaeren und verschwand zwei- dreimal im angrenzenden Buero, hatte aber letzten Endes keine Beanstandungen zu machen. Nach dem Grnzuebertritt erwartete uns eine neue nahezu unbefahrene Autobahn, auf der es sich leicht und locker bis Mengla rollen liess.
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| Neujahrsparade |
In dieser ersten groesseren Stadt versuchten wir mittels unseres Reisefuehrers ein billiges Guesthouse anzusteuern, doch leider mussten wir 1.5 Stunden und etliche Nachfragen spaeter feststellen, dass es nicht mehr existierte. Leicht ermuedet nahmen wir schliesslich ein Zimmer in einem richtigen Hotel. Dort gab es sogar Fernseher, Shampoo und Zahnbuersten. So nobel habe ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gewohnt. Zum Glueck hatte ich an der Grenze meine restlichen thailaendischen Baht eingetauscht, wenn auch zu einem etwas schlechteren Kurs, denn in Mengla waren saemtliche wechselwilligen Banken geschlossen und es liess sich auch kein internationaler Geldautomat auftreiben. Am naechsten Morgen zog vor unserem Hotel die hiesige Neujahrsparade vorueber (Video). Farbenfrohe chinesische Gewaender, wie man sie sich immer vorstellt, zogen an uns vorbei. Die Akteure schienen noch etwas verpennt zu sein, aber fuer mich war eindeutig zu merken, dass ich wieder mal in einen voellig anderen Kulturkreis gewechselt war. Auch wenn ich die Sprache genausowenig verstand wie vorher, bemerkte ich doch, dass es eine andere war, als noch Tags zuvor.
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| opiumschmauchender Chinese am Strassenrand |
Die naechsten beiden Tage kaempften wir staendig mit der Entscheidung, welche Strasse wir nehmen sollten: Die unfertige, maessig flache Autobahn, oder die alte Strasse, die sich die Haenge entlang wand. Letztendlich wechselten wir des oefteren hin und her und landeten prompt in einer Sackgasse: ein Tunnel auf der neuen Strasse war noch nicht fertig und uns blieb nichts weiter uebrig, als die letzten 7 km wieder zurueck zu fahren. Da es schon recht zeitig war und die Strasse ruhig (welch Ueberaschung
), beschlossen wir einfach neben der Strasse zu campen. Am Morgen hatten wir in Mengla 3 thailaendische Radler getroffen, die bis zum Abend in Jinghong sein wollten. Auf der neuen Strasse war dieses mit 130km Entfernung angegeben, aber da sie ja noch nicht fertig war, war die Strecke noch ein ganzes Ende laenger.
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| Bloedeln in China. |
Wir wunderten uns, wie die 3 das schaffen wollten, zumal wir, die wir erst spaet in Mengla gestaertet waren (so gegen 10 Uhr), sie schon nach eine Stunde ueberholt hatten. Und tatsaechlich zottelten die 3 die Strasse entlang, als wir schon am Lager aufbauen waren, 110 km vor Jinghong, wie wir schaetzten. Wir winkten sie heran, um ihnen zu sagen, dass in einem Kilometer Entfernung der gesperrte Tunnel wartete und sie in eine Sackgasse fuehren. Sie grinsten uns an, wie sie es immer taten, fragten nochmal nach, ob es wirklich nur ein Kilometer sei und stiessen ihren Schlachtruf: „Photo, Photo!“ aus und radelten weiter. Kopfschuettelnd ueber soviel Lebensfreude machten wir uns wieder an den Lagerbau. Wie schon in der Nacht in Mengla kam ein kraeftiges Gewitter ueber uns, welches wir aber unbeschadet ueberstanden.
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| Nachtdachlager |
Am naechsten Abend bauten wir unsere Zelte zunaechst auf dem Hof eines Restaurants auf. Wir hatten dort gehalten, weil zwei deutsche Wohnmobile schon Station bezogen hatten. Klaus und Erika hatte ich schon einmal in Vang Viang getroffen, waehrend Bartek und Joanna dort auf Ilja gestossen waren. Da man als Autoreisender unbedingt einen einheimischen Fuehrer dabei haben muss, konnte dieser fuer uns fragen, ob das Zelten OK waere. Als es am Abend wieder anfing zu schuetten, boten uns die Restauranbesitzer gestenreich an, in offenen, aber ueberdachten Obergeschoss zu schlafen, was wir dankbar annahmen. Der Hof war naemlich sehr lehmig und es haette eine riesige Schweinerei am naechsten Morgen gegeben. Ich fuehlte mich ob dieser Gastfreundschaft wieder ein wenig an die Tuerkei erinnert. Bis Jinghong waren es dann auch nur noch 40 km, die wir am 16.4. meisterten. Genau wie Sven und Judith wundere ich mich immer wieder, dass solch kurze Etappen viel anstrengender erscheinen, als wenn man 100 km faehrt. Die Gewissheit: “ Es ist ja nicht weit.“ raubt mehr Kraft und Energie als man denkt. Nun logieren wir auf dem Campus einer technischen Universitaet, deren Studentenwohnheimer auch fuer Reisende geoeffnet sind. Bartek und Joanna werden die naechsten Tage nach Kunming fahren, waehrend mich meine Route weiter westlich fuehren wird. Wo es genau lang gehen wird, ist noch nicht klar, weil dies auch davon abhaengen wird, ob Sven und Judith nun fliegen muessen oder nicht. Das wird grossen Einfluss auf den Schauplatz unseres Wiedersehens haben.