Gemeinsam in China (03.05. – 11.05.)

Wiedersehen in Kunming

Gemeinsam in Kunming (03.- 07.05.)

(H) In der Tat war ich schon etwas besorgt gewesen wo Sven und Judith stecken koennten. Eine SMS, die sie geschickt hatten, hatte mich nicht erreicht. Nachdem wir uns vor dem Bahnhof in die Arme gefallen waren, starteten wir erstmal ein einstuendiges Palaver ueber die verstrichenen vier Monate und tauschten einige unserer Erlebnisse aus. Doch schliesslich machten wir uns, unterstuetzt durch einen freundlichen Polizeibeamten der gegen unsere Herumlungerei vorgehen wollte, den Bahnhof und machten uns in unser Heim fuer die naechsten Tage auf.
Dieser Abend war allerdings schon ausgeplant. Ueber die Website der globecyclers hatte ich erfahren, dass die beiden Tandemradler Mandy und Benny sich ebenfalls in diesen Tagen in Kunming aufhielten.

Benny und Mandy

Sven und Judith hatten schon einmal kurz in E-Mail – Kontakt mit ihnen gestanden und so wollten wir die Gelegenheit dazu nutzen, um sie einmal naeher kennenzulernen. Sie hielten sich im gleichen Guesthouse auf wie Zois, den deutschen Reisenden, den ich schon einmal in Nong Khai in Nordthailand getroffen hatte. Als wir im Cloudlands, so hiess das Guesthouse, ankamen, trafen wir dort nur Zois und Benny an. Mandy war an diesem Abend anderweitig unterwegs. Wir liessen uns davon aber nicht abhalten den Abend mit Radlergeschichten und Reiseerfahrungen zu fuellen. Mandy und Benny waren im April 2006 aus Deutschland gestartet und durchreisten seitdem Suedosteuropa, die Tuerkei, den Iran, Pakistan, Indien und Tibet.

Einmal Probefahren bitte…

Dabei sind sie auf einem ziemlich geilen Tandem unterwegs, nach dem sich mittlerweile auch Sven und Judith die Finger lecken ;-) . Leider tauchte Mandy den ganzen Abend nicht mehr auf, aber wir verabredeten uns fuer uebermorgen zu einem Spieleabend. Ueber couchsurfing.com hatte ich naemlich Tobias kennengelernt, einen Schweizer der ebenfalls in Kunming lebt und Chinesisch studiert und zudem ein begeisterter Spieler ist.
Die naechste Zeit lief tagsueber recht aehnlich ab: Wir pendelten zwischen Blog aktualisieren und Eisessen hin und her. Die Abende waren immer recht lang uns hoechst amuesant.

Am 4.5. gingen wir in ein chinesisches Restaurant. Wie schon zuvor in den Englischschulen wurden die georderten Gerichte in der Tischmitte abgeladen und jeder nahm sich, was ihm behagte.

Vorne Heuschrecken, hinten rechts Magen.

Bestellt hatten wir durch Zeigen und so waren wir auch nicht ganz sicher, was wir eigentlich geordert hatten. Es stellte sich als ein Teller cross gebratener Heuschrecken, ein Teller mit einem Gericht aus Magen, einem aus Schlangenschwaenzen, mit Hackfleisch gefuellten Peperonie und eine Maissuppe heraus. Die Geschmaecker sind ja recht verschieden und waehrend mir der ganze Kram ganz koestlich mundete, verspuerte Sven nur wenig Drang sich auf den Magen und die Schlangenschwaenze zu stuerzen. Trotzdem war noch genug auf dem Tisch, dass sich alle Baeuche rundeten.

Am naechsten Abend trafen wir uns mit Benny, Mandy und Toby in einem Cafe und spielten Karten, tranken Bier und lachten bis uns die Traenen kamen.

Globecyclers schlagen Juhas.

Abends darauf wiederholten wir den ganzen Spass im Cloudlands auf der Dachterrasse. Dabei unterkuehlten Sven und ich uns ein wenig, was uns eine leichte Erkaeltung fuer die naechsten Tage einbrachte. Am naechsten Morgen, dem 7. April wollten wir eigentlich aufbrechen, aber genau wie Benny und Mandy kamen wir ob des vorigen Abend nicht so recht aus dem Bett und beschlossen allesamt noch einen Tag in Kunming dranzuhaengen. Um am folgenden Tag nicht wieder das gleiche Problem zu haben, trafen wir uns dieses Mal am Nachmittag und zwangen uns gegen 21:00 auch wirklich aufzubrechen und Lebewohl zu sagen. Dabei konnten wir jedoch nicht an einem Kickertisch vorbeigehen und auch eine Proberunde auf dem Tandem der beiden wollten wir nicht auslassen.

Abschiedsphoto in Kunming?

Es kam uns, wenn wir hinten sassen, recht wacklig vor, aber das ist ja reine Gewoehnungssache. Vorne fahren fand ich super bequem. Bei diesem Tandem sitzt der Vordermann naemlich nicht auf einem Fahrradsattel sondern in einem bequemen Sitz mit Rueckenlehne *traeum*. Weil wir es immer noch nicht fertig brachten nach den schoenen Tagen einfach so „Auf Wiedersehen!“ zu sagen, verabredeten wir uns noch fuer den naechsten Morgen zum Fruehstueck, bevor wir uns alle in verschiedene Richtungen aufmachen wuerden.

Von Kunming nach Yuanmou (08. – 11.05.)

(J) Am 08.05. sind wir endlich aus Kunming aufgebrochen. Doch auch an diesem Tag war es nicht so einfach, wie gedacht.

Ausfahrt aus Kunming.

Wir hatten uns zum Fruehstueck bei Benny und Mandy in ihrem Hotel verabredet und konnten uns nicht davon losreissen, Geschichten aus der Welt auszutauschen. Radreisende haben sich manches Mal eine Menge zu berichten, Fragen zu stellen und Probleme zu diskutieren. :) Und schliesslich waren wir drei ganz neugierig auf das beladene Liegetandem der beiden. So hockten wir erst im Hotelinnenhof, dann auf der Strasse, bis endlich das Naheliegende ausgesprochen wurde: „Lasst uns doch gemeinsam starten.“ So kam es, dass wir mit drei Raedern und einem Tandem (Video) in der schwuelen Mittagshitze nach Westen aufbrachen. Auf befahrener Strasse liessen wir die Hochhaeuser der Stadt bald hinter uns zurueck und vor unseren Augen begannen sich die bewaldeten Berge von Yunnan wie Schildkroetenruecken in sanfter Rundung in die Hoehe zu recken.

Abendgebet

Endlich waren wir wieder in der Natur. Fuer Sven und mich war das schon fast drei Wochen her. Bei Anning, knappe dreissig Kilometer weiter, verliessen wir nach einer kurzen Pause (Video) die grosse Strasse und machten uns auf die Suche nach einem ruhigen Schlafplatz, denn eigentlich wollten wir mal wieder zelten. Doch es kam anders als geplant, als wir am Wegesrand ein buddhistisches Klostergelaende passierten. Die juengeren Bewohner spielten soeben in ihren orangefarbenen Gewaendern Basketball und nahmen uns freundlich auf.
Im Abendlicht fuehrte uns dann ein Thailehrer am Hauptkloster vorbei und auf schmalen Pfaden zwischen Baeumen und hoelzernen Pagoden hindurch und schliesslich zum Abendgebet der etwa hundert hier lebenden Moenche. Wir blieben fuer einige Zeit, doch nicht bis zum Ende des Gesangs (Video1, Video2), der bis nach Sonnenuntergang andauern wuerde. Statt dessen kochten wir und unterhielten uns bis spaet in die Nacht.

Teezeremonie.

Am naechsten Morgen waren wir zum Fruehstueck in den Speisesaal eingeladen worden. Als wir dort eintrafen, gab man uns eine Schale und Staebchen und schenkte uns wie den Moenchen vegetarische Nudelsuppe aus. Vielleicht waren wir ein bisschen spaet, denn viele der Bewohner hatten bereits gegessen. Nur noch wenige besetzten die kargen Tische. Danach aber wurden wir zum Vorsteher des Klosters gebeten, einem beleibten Moench in orangenem Tuch und ruhiger Ausstrahlung. Der Thailehrer, der uns bereits gestern begleitet hatte, uebersetzte waehrend der kleinen Teezeremonie, die der Vorsteher vornahm. Erst dann packten wir unsere Sachen und verabschiedeten uns von diesem friedvollen Ort.

Ananas am Strassenrand

Kurz darauf verabschiedeten wir uns auch von Benny und Mandy, mit denen wir ein paar schoene und interessante Tage verbracht hatten, und setzten unseren Weg nach Norden in Richtung Shangri-La fort. Diesen Abschnitt unserer Reise liessen wir langsam angehen. Sven und Hannes beglueckten sich zunaechst mit einem zweiten Suppenfruehstueck und dann mit einer Eispause. Spaeter kauften wir Bananen und Aepfel ein und probierten die koestlichen, halb gruenen, halb gelben Mangos, die in grossen Mengen auf den lokalen Obstmaerkten der Provinz Yunnan verkauft werden. Doch am meissten genoss ich in den naechsten Tagen das Fahren durch eine bevoelkerte und doch gruene und bergige Landschaft. Zahlreiche Reisterrassen, Getreidefelder und Gemuesegaerten saeumten den Weg. Jedes noch so kleine Stueckchen Erde war bebaut und wurde zur Zeit beackert. Das Getreide wurde geerntet, in schmale Garben gebunden und gedroschen.

Reispflanzen.

Um die Koerner von Staengeln und Huelsen zu loesen gab es jedoch nicht nur eine Methode. Wir beobachteten Frauen, die einen Dreschflegel schwangen, Maenner, die die Gaben auf Hoelzer schlugen und nicht wenige Einwohner, die ihre Getreidebuendel auf die Strasse legten, damit Autos und Lastwagen hinueberfuhren und die Arbeit verrichteten. Gleichzeitig war es an der Zeit, die Reissproesslinge auseinander und in den ueberfluteten Terrassen in lange Reihen zu pflanzen. Gleichzeitig wurde mit Wasserbueffeln der Boden brachliegender oder abgeernteter Felder beackert und hunderte von Menschen trugen Lasten auf dem Ruecken. Nur die Kinder, die wir in Indien und Nepal so oft als Arbeitskraft beobachtet hatten, wurden hier meist von der Arbeit ausgenommen.

Surfin’ in China.

So passierten wir die Landschaft, schliefen den ersten Abend in einem kleinen, sauberen Hotel und den naechsten im Zelt auf einem Pass von 2200 Metern in einem lichten Nadelwaeldchen. Gestern unterteilte sich die Strecke in eine lange Auffahrt auf 2600 Meter Hoehe. Dann ging es fast 30 Kilometer bergab nach Yuanmou (Video1, Video2). Hier hat es heute Morgen begonnen zu regnen und deshalb sitzen wir nun in einer der chinesischen Spielhoellen, dem Internetcafe, und schreiben Blog.

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