Durch die Gobi (11.07. – 02.08.)

Endlose Weite.

Die letzten Tage in China (11. – 13.07.)

(J) Unsere Zeit in China ging nun schnell vorueber. Weil Hannes sein Visum nicht verlaengern konnte, stiegen wir am 11.07. in Hohhot in den Zug und fuhren ueber Nacht die restlichen 500 Kilometer bis zum chinesischen Grenzort Erlian. Um sechs Uhr am Morgen kamen wir an und vertroedelten den verbliebenen, noch ziemlich langen Tag mit Essen, Schlafen und Postkartenschreiben.

Ein letztes Mal bestellten wir am Abend in einem chinesischen Restaurant ein wunderbares Essen mit verschiedenen Tellern Gemuese und Schweinefilet und kauften danach in Vorbereitung auf die mongolische Wueste etliche Liter Wasser ein. Ab dem Grenzuebertritt in die Mongolei wuerden wir bis nach Ulan Bator die Gobi durchqueren. Sie lag nun nur noch eine Hand voll Kilometern entfernt, jenseits der Grenzposten vor der Stadt. Geschrubbt und geduscht schliefen wir aber heute noch einmal unter unseren weissen Hotellaken ein, etwas aufgeregt, weil wir nicht wussten, was uns in den folgenden Wochen erwartete.

Mit dem Zug zur chinesischen Grenze.

An einem Sonntagmorgen verliessen wir das Reich der Mitte. Hier hatten wir vor zweieinhalb bis drei Monaten das Prinzip der Supermaerkte wiederentdeckt. Wir mussten allerdings dazulernen, dass ein vielfaeltiges Angebot aus Geleebonbons und Huehnerfuessen, Instantfruehstuecksflocken und Rote-Bohnen-Eis nicht unbedingt alle unsere kulinarischen Gewohnheiten befriedigt. Wir lernten mit Holzstaebchen Suppe zu schluerfen, sowie das Bier mit grossen Schlucken aus winzigen Glaesern zu leeren. Wir genossen, dass uns immer ein Restaurant ueber den Weg lief, wenn vom Radfahren der Magen knurrte – eben, weil Chinesen selbst sehr gerne essen gehen und es daher ueberall Lokalitaeten gab – und wir entdeckten die Vorteile eines weichen und sauberen Hotelbettes im klimatisierten Zimmer.

Auf chinesischer Seite.

Bald nervte uns aber auch das neugierige „Helloou“ vieler Chinesen, weil dem beinahe zwingend ein lautstarker Lachanfall folgte, der uns – wir konnten machen, was wir wollten – all zu oft herablassend oder gehaessig vorkam. Wir verabschiedeten uns von geisterhaften Satellitenstaedten, der Ueberbevoelkerung, traumhaften Berglandschaften und Reisfeldern, Chinesenhueten und Asphaltstrassen. Dann schoben wir unsere ueberladenen Raeder an und machten uns auf zur Grenze.

Auf in die Mongolei (13. – 17.07.)

Der Grenzuebertritt in die Mongolei war mit dem Fahrrad nicht moeglich. Wir hatten damit gerechnet und waren deshalb nicht erstaunt, als uns ein chinesischer Grenzbeamter aufhielt. Er wies uns an, unsere Raeder in einen der Jeeps zu verladen, die regelmaessig die Grenze ueberquerten.

Mit dem Jeep ueber die Grenze.

So setzten wir uns auf den warmen Asphalt und warteten. Es war 10 Uhr morgens und wir hatten Zeit. Doch es dauerte nicht lange, da hielt ein Wagen neben uns. Sein Fahrer stieg aus und bot uns an, uns gegen Bezahlung ueber die Grenze zu bringen. Leider war im vollbeladenen Auto kein Platz mehr fuer zusaetzliche drei Personen, die Raeder und das Gepaeck. So liessen wir ihn wir fahren und warteten weiter. Bald kam ein naechster Jeep und diesmal sprachen wir auf eigene Faust den Fahrer an. Es war ein aelterer Mongole mit seiner Frau. Sie hatten bereits in Erlian drei Fahrgaeste aufgenommen und wir wollten schon wieder abwinken, denn das Auto schien zu voll zu sein. Doch der Mann betrachtete uns kurz abschaetzend und nickte dann. Fuer 10 Euro pro Person verstauen wir die 16 Radtaschen im Kofferraum und schnallten die Raeder aufs Dach und hinter die Laderampe. Auf der Bank rueckten wir eng zusammen und diejenigen, die auf einem Schoss sassen, zogen die Koepfe ein.

Im mongolischen Grenzort.

Der Motor wurde angelassen. Der alte Wagen tat sich damit ein bisschen schwer, doch nach einem kurzen Augenblick rumpelten wir los. Dreimal hielten wir in kurzen Abstaenden: Zunaechst um die Strassenmaut zu bezahlen, dann um aus China auszureisen und ein letztes Mal um in die Mongolei einzureisen, doch alles klappte reibungslos und zu unserem Glueck mussten wir nicht einmal unsere Taschen zur Inspektion oeffnen. So waren wir gegen Mittag auf mongolischer Seite und mit einem Schlag war alles ganz anders.

Staub und Schlagloecher empfingen uns. Auf der Rueckbank huepften wir nun etwas hoeher, aber fuenf Minuten spaeter quietschten die Bremsen bereits und auf dem Parkplatz vor dem Bahnhofsgebaede luden wir aus. Unser Fahrer winkte zum Abschied und drehte den Schluessel um loszufahren. Doch auch der Jeep schien nun zu merken, dass er zu Hause angekommen war und gab heimatliche Attitueden zum Besten.

Muessen wir jetzt schieben?

Er wuergte und wuergte und es dauerte diesmal lange, bis der Motor tatsaechlich lief und der Wagen in einer Staubwolke unseren Blicken entschwand. Wir sahen uns um und fanden uns in einer kleinen Stadt mit niedrigen Haeuschen wieder. Der Putz blaetterte von den Mauern, rostige Zaeune rahmten winzige Vorgaerten ein. Sand hatte die Strasse stellenweise verweht. Einige Kinder uebten auf den zwei Treppenstufen zum Bahnhofsvorplatz Kunststuecke auf ihren importierten chinesischen Raedern. Vereinzelt schauten Menschen mit mildem Interesse zu uns herueber und drei Rucksacktouristen warteten auf die Weiterfahrt ihres Zuges. Zamyn-Uud war ein verschlafener Grenzort, der uns eher an Russland bzw. den Ostblock erinnerte, als an Asien, wie wir es bisher erlebt hatten.
Wider unseren Erwartungen fanden wir neben dem Bahnhofsgebaeude zwei funktionierende Geldautomaten und hoben Tausende von Tugriks ab (ein Euro entspricht zur Zeit 1716 Tugriks).

Viele Spuren in die Wueste

Dann beschlossen wir unsere ersten Erfahrungen mit der mongolischen Kueche zu machen. Wir betraten durch eine unscheinbare Tuer das, wie es schien, einzige am Sonntag geoeffnete Restaurant vor Ort. Wir setzten uns und warteten, gewohnt bedient zu werden, doch nichts geschah. Also gingen wir selbst zum Tresen und baten um die Speisekarte. Einige Male uebersah uns die Bedienung geflissentlich, dann rueckte sie das Menue heraus und weil es zur Schrift tatsaechlich Bilder gab und Sven das kyrillische Alphabet beherrschte, hatten wir uns bald etwas ausgesucht. Wir bestellten, doch eine naechste Ueberraschung erwartete uns: All unsere Muehe war umsonst gewesen, denn es gab nur ein einziges Gericht und das beinhaltete zaehes und fettiges Fleisch, ausserdem etwas oeligen Reis. Wir assen, weil wir Hunger hatten, die Jungs blieben aber etwas hungrig. Unterdessen ueberlegten wir, ob dieser Restaurantbesuch ein typischer sei. Spaeter stellte sich heraus, dass er typisch war, doch bis dahin lernten wir die Mongolei mit ihren Menschen besser kennen und schaetzen.

Ungewohntes Viehzeuch:
stinkende Kamele.

Wir hatten uns vorgenommen an den Bahnschienen nach Ulan Bator zu reisen und mit diesem Vorsatz verliessen wir am Nachmittag den Grenzort. Sven behielt sein GPS im Auge, deren Basiskarte nicht viel mehr beinhaltete als den Schienenverlauf der Transsib. Zur genaueren Orientierung besass er ausserdem eine normale Strassenkarte vom World-Mapping-Projekt, doch auch die war sehr grob und nach unseren Erfahrungen in China mit Vorsicht zu geniessen. Wir hielten uns links der Schienen. Nach einigen Haeuschen und den ersten Jurtensiedlung(Jurte heisst auf Mongolisch Ger) am Stassenrand liessen wir das besiedelte Gebiet mit seiner Asphaltstrasse hinter uns. Die Gobi empfing uns unwirtlich.

Die Gobi liegt vor uns.

Nach nicht einmal einem Kilometer blieben wir im Sand stecken (Video). Wir mussten absteigen und schieben und bald fragten wir uns, ob das in der naechsten Zeit unsere Hauptbeschaeftigung werden wuerde und wie lange wuerde es dann dauern, die mongolische Hauptstadt zu erreichen? Schliesslich ging uns zu allem Ueberfluss der Weg verloren, weil es einfach zu viele Autospuren im Sand gab, die in die unterschiedlichsten Richtungen wiesen. Nach einer halben Stunde wurde aus dem Sand aber endlich grober Kies und deutlich fuehrten einzelne Spuren bis zum Horizont ins Nichts. Wir stiegen wieder auf die Raeder und ich hatte endlich das Gefuehl angekommen zu sein.

So, wie nun die Landschaft vor uns lag, so wuerde sie uns in den naechsten drei Wochen umgeben. Der Himmel woelbte sich gewaltig ueber ein weites, leeres Land und spaerlicher Bewuchs aus Graesern, Kraeutern und bluehendem Schnittlauch ueberzog die seichten Huegel (Video).

Wuestenbewuchs.

Unzaelige Kaefer rollten den Kot von Kamelen, Kuehen, Pferden, Ziegen und Schafen von einem Ort zum anderen. Fliegen summten durch die Luft und ab und zu sahen wir weit ueber uns einen Voegel seine Kreise ziehen. Dazu sonnten sich kleine Echsen (Video) auf groesseren Steinen und viele Loecher im Boden berichteten von ihren pelzigen Bewohnern, die meist von uns unentdeckt ihr Leben lebten. Bald bemerkten wir, dass sich die Bahnschienen immer mehr von uns entfernten. Zu weit in den Westen fuehrte uns der Weg und wir begannen uns Sorgen zu machen. Nicht mehr als zwei Tage reichte der Wasservorrat. Sollten wir umkehren? Dann sahen wir eine erste Nomadenjurte. Der weisse Stoff leuchtete weit. Ein Jeep parkte daneben und in geringer Entfernung graste eine Herde Kuehe. Solange hier Menschen lebten, wuerden wir auch Wasser finden, ueberlegten wir und beschlossen unseren Weg vorerst fortzusetzen. Dann kamen uns zwei Reiter auf ihrem Weg von Ulan Bator zur Grenze entgegen und bestaetigten uns in unserer Entscheidung. Erschoepft richteten wir bald darauf unser Zelt auf.

Nomaden.

Ungestoert und ungesehen kochten und assen wir bei Sonnenuntergang. Es war ein komisches Gefuehl so allein in der Landschaft zu stehen, doch es fuehlte sich ungemein befreiend an und mit einem Laecheln auf den Lippen schliefen wir ein.

Am naechsten Morgen war es kalt und Regen fiel in schweren Tropfen auf unser Zeltdach. wir empfanden das als sehr merkwuerdig, denn mit viel hatten wir gerechnet, aber bestimmt nicht mit Regen in der Wueste. Wir assen froestelnd und kramten die Regenkleider hervor. Aufatmend stellten wir fest, dass uns ein starker Rueckenwind ueber die Landschaft treiben wuerde. Trotzdem wurde es ein anstrengender Tag und nicht nur einmal verlor ich den Halt und stuerzte mit meinem Fahrrad in eine Sandverwehung. Unter diesen Bedingungen fiel ich oft zurueck. Einmal aber erwarteten die Maenner mich nicht alleine und als ich naeher kam wurde immer deutlicher, dass ein anderer Reiseradler aus der Gegenrichtung gehalten hatte.

Reiseradler in der Wueste.

Er kam aus Polen und wollte nach Peking. Er schob, denn bei diesem Gegenwind war es ihm unmoeglich zu fahren, zumal eines seiner Beine schmerzte. Wir freuten uns ueber diese unerwartete Begegnung, doch schon bald trennten wir uns wieder, denn das Wetter war zu ungemuetlich um herumzustehen. Was er uns jedoch berichten konnte war, dass wir bald auf einen Brunnen treffen wuerden und 60 Kilometer spaeter erwartete uns eine Oase mit einem winzigen Laden. Das beruhigte und wir verabschiedeten uns.
So fuhren wir weiter, fuellten an der beschriebenen Wasserstelle unsere leeren Flaschen auf und Nomaden luden mich dort fur einen salzigen Milchtee in ihre gemuetlich geheizte Holzhuette neben ihren beiden Jurten ein. Einige Zeit spaeter schlugen wir unser Lager auf und zelteten bei hellem Mondschein. Ueber Nacht klarte der Himmel vollends auf und am naechsten Tag erreichten wir bei Sonnenschein die Oase, von der der Pole gesprochen hatte.

Verlassener Stall.

Einige Jurten, ein, zwei Hauser und einfache Bretterverschlaege bildeten die kleine Siedlung. Ein aelterer Mongole schickte uns zum Auffuellen unserer Wasservorraete zu den Zelten und wie erstaunt waren wir, als zwei Tschechen uns zu sich in eine der Jurten einluden. Wie sich spaeter herausstellte, lebte der eine bereits seit Jahren mit seiner mongolischen Frau und Tochter in der Mongolei und sucht als Geophysiker Wasser in der Wueste. Der juengere von beiden forschte im Rahmen eines Agrarprojekts daran, welche Pflanzen man in der Gobi anbauen koennte. Wir betraten ihr Ger und entdeckten einen Kuehlschrank und zwei Laptops neben den Betten und einem kleinen Tisch in der Mitte. Aus kleinen Lautsprechern ertoenten vertraute Klaenge westlicher Rockmusik. Wir tranken Saft und nutzten die elektrische Pumpe des Tiefbrunnens und vollbeladen mit Wasser steuerten wir dann unser naechstes Ziel an: Die beiden Tschechen hatten uns die Koordinaten des bedeutenden buddhistischen Klosters Khamryn Khijd mitgegeben.

Ein Ger mit Laptop.

Nahe dem Ort laege das Shambala, es werde als Energiezentrum verehrt, erzaehlte man uns. So verliessen wir den Hauptweg zum ersten Mal und navigierten nun nur mit Hilfe unseres GPS-Geraetes auf mehr oder weniger ausgefahrenen Wegen in die Wueste.
Am 16.07. erreichten wir gegen Mittag das Khamryn Khijd und assen hungrig in einem Ger. Ein junger Moench und eine junge Frau hatten sich unser angenommen und brachten uns, waehrend wir auf unser Essen warteten, ein wenig Mongolisch bei. Wir besuchten das winzige Kloster und radelten danach weiter zum Energiezentrum. Eine Vielzahl grosser, weisser Stupen rahmte das quadratische Areal ein. An den Eingaengen wachten Buddhas Augen und am Nordende thronte ein grosses Ovoo, ein shamanischer Opferplatz, wie er ueberall der Mongolei zu finden ist. (Ovoo) (Video). Dort verbrachten wir eine schoene, ruhige Stunde.

Buddhistisches Energiezentrum.

Als wir danach wieder zum Weg zurueckkehrten, erspaehten wir zum Abschied hinter einer Huegelreihe die Skulptur zweier Brueste, vor der mongolische Frauen um Fruchtbarkeit und die Geburt eines Sohnes bitten. Es ist etwas ernuechternd immer wieder darauf gestossen zu werden, wie wenig erwuenscht ein Maedchen in grossen Teilen dieser Welt ist, deshalb verzichtete ich diesmal auch darauf, mir das Bauwerk naeher anzusehen.
Diese Nacht verbrachten wir unter einem einzelnen Baum, der seine Wurzeln in den Sand eines ausgetrockneten Flussbettes gegraben hatte. Wir schlugen dort sehr frueh unser Zelt auf und genossen den langen Abend mit Tagebuchschreiben und Skatspielen. Bis zur naechst groesseren Stadt war es nicht mehr weit.
Achtunddreissig Kilometer lagen am 17.07. bis nach Sajnshand, an der Transsib-Strecke gelegen, nur noch vor uns. Doch diese Kilometer wurden lang, denn die letzten sieben Kilometer vor der Stadt mussten wir unsere Raeder durch ein riesiges Schlammbecken schieben.

Sonnenuntergang.

Doch nicht nur wir hatten Probleme mit dem Vorankommen. Bald fanden wir ein Auto, das sich im Modder festgefahren hatte. Unter gemeinsamer Anstrengung, schafften die Jungs es zusammen mit Fahrer und Insassen, die Raeder zu befreien, bis auch ich den Ort erreichte. Zum Dank wurde eine Runde Wodka ausgegeben. Die Mittagssonne brannte vom Himmel.
Als wir endlich auf den Asphalt der Stadt stolperten suchten wir uns schnell ein kleines Restaurant und ein Zimmer in einem Hotel. Wir assen und schliefen, verbrachten einen Tag Pause in Sajnshand mit Internet- und Museumsbesuchen und ueberlegten uns unsere naechste Route.

Sajnshand von oben.

Sajnshand (17. – 19.07.)

(H) Wir blieben einen Tag laenger in Sajnshand als geplant. Wir spielten ein paar zuenftige Runden Skat und besichtigten das oertliche Heimatmuseum. Ein wenig gruselig sah es aus, als wir durch leicht verfallene Raeume im Sowjetstil gingen und etlichen ausgestopften Tieren der Gobi ins Glasauge blickten. Nachdem uns die letzten Tage in den endlosen Weiten der Gobi so gut gefallen hatten, bekamen wir Lust noch mehr von ihr zu sehen und nicht entlang der Bahnschienen zur Hauptstadt Ulan Bator zu radeln. Um diesmal aber nicht wieder Blut und Wasser zu schwitzen, ob wir den richtigen Weg erwischt haben, bereiteten wir uns diesmal gezielter vor: Wir stockten unseren Wasservorrat auf 30 Liter auf und suchten uns mittels Satellitenbildern die wichtigsten Wegpunkte und -kreuzungen heraus. Wir uebertrugen deren Koordinaten in unser GPS-Geraet und waren guten Mutes, als wir uns erholt am 19. Juli wieder auf den Weg machten. Aber ganz so wuestenerfahren, wie wir es gern gehabt haetten, waren wir dann leider doch nicht.

Mittagspause unter selbst
gebasteltem Schatten.

Auf nach Westen (19. – 24.07.)

Zum Einen erwischten wir gleich zu Beginn die falsche Strasse aus der Stadt hinaus, was uns eine Stunde Querfeldeinfahren bzw -schieben einbrachte. Zum Anderen hatten wir Tags zuvor viel zu wenig getrunken, so dass unser Wasserbedarf viel hoeher war als angenommen. Dazu kam, dass wir in eine total menschenleere Gegend geraten waren. Wir sahen keine Jurten mehr, sondern nur karge, leere Steppenwueste soweit das Auge reichte. Wenn wir zur Mittagszeit anhielten, spannten wir unsere mittlerweile recht loechrige Plane zwischen die Raeder, um etwas im Schatten ausruhen zu koennen. Doch wir hatten Glueck. Das einzige Fahrzeug, dass wir heute trafen war ein LKW, der Fensterteile ebenfalls nach Mandalgov transportiere. Wie die meisten Fahrzeuge hier war er alter russischer Bauart und musste des oefteren eine Pause einlegen, weil der Kuehler kochte. Drei Mongolen stellten die Besatzung und erklaerten beim ersten Aufeinandertreffen, dass sich in 30 Kilometern Entfernung ein Brunnen befaende.

Yippieh: ein Brunnen am Abend!

Das beruhige uns natuerlich sehr und wir fuhren weiter in die angegebene Richtung. Aehnlich einem gemeinsamen Bockspringen ueberholten wir uns fuer den Rest des Tages gegenseitig. Jedesmal fragten wir nach, ob wir nicht eventuell vorbei gefahren waeren, denn langsam neigte sich der Tag dem Ende zu und die angegebenen 30 Kilometer waren schon ueberschritten. Doch vom Brunnen keine Spur. Als es schon fast dunkel war, ueberwanden wir wieder einen Huegelkamm und sahen unsere Reisebegleiter in der dahinterliegenden Ebene stehen. Eigentlich hatten wir schon aufgegeben und haetten an Ort und Stelle gestoppt, doch so wollten wir wenigstens noch einmal nachfragen, ob wir richtig seien. So kam es, dass wir heute doch noch den Brunnen erreichten, denn dort wartete der ueberhitzte LKW. Freudig grinsend und erleichtert besahen wir den Platz: Auf einer steinigen, ebenen Flaeche befanden sich drei regenwassergefuellte Brunnen. Sie waren uebervoll, aber leider auch Trinkstelle saemtlichen Viechzeugs der Gegend.

Farbige Wueste.

Da dieses sich nicht an die hier gueltige Regel haelt, sich in mindestens 100 Metern Abstand zu erleichtern, war das Wasser nicht gerade das sauberste. Die drei Mongolen hatten extra noch auf uns gewartet, um zu sehen, ob wir den Brunnen auch nicht verpassten. Sie fragten noch kurz nach, ob wir uebernachten wuerden und machten sich dann weiter auf den Weg. Wir bereiteten noch ein leckeres Abendessen aus Nudeln und einem Glas Letscho und krochen dann in unser flatterndes Zelt. Es war naemlich maechtig windig geworden.
Schon am Abend sowie am folgenden Morgen liessen wir den Kocher laufen, da wir das Brunnenwasser abkochten. Da wir dies das erste Mal in so grossem Umfang taten, waren wir nicht schlecht erstaunt und leicht erschrocken, als wir am Abend feststellen mussten, dass dabei schon die Haelfte unseres Benzinvorrats draufgegangen war. Wir hatten zwar auch den in Sajnshand aufgefuellt, aber wieder einmal die Anforderungen einer Wuestenfahrt unterschaetzt. Fuer Sven hatte es die schlimmsten Folgen, da nun der morgenliche Kaffee fuers erste gestrichen wurde, bis wir wieder auftanken konnten.

Begegnung am Ger.

Am 21. Juli erreichten wir Oendoershil, eine kleine Stadt mitten im Nichts. Sie bestand aus ein paar Wohnhaeusern und Laeden, sowie einer geschlossen Tankstelle und einem geschlossenem Restaurant. Etwas klueger geworden, stockten wir unseren Wasservorrat auf 50 Liter auf, was uns nun zwei volle Fahrtage mit Reserven ohne Nachtanken gewaehrte.
Die naechsten Tage waren nun ein Mix aus Gras- und Geroelllandschaften, vereinzelten Autos, die uns ueberholten oder uns entgegenkamen und vereinzelten Begegnungen mit den hier lebenden Nomaden. So hielten wir einmal an einem Ger, um nach dem naechsten Brunnen zu fragen. Gleich bekamen wir jeweils eine Schale des hier ueblichen gesalzten Milchtees. Nach ein paar gewechselten Worten ueber das Wohin und Woher verabschiedeten wir uns wieder. Ein anderes Mal hielt ein Jeep und uns wurden drei leckere Schokoladentoerchen a la „YES“ geschenkt.

Nomade hilft
beim Wasserfassen.

Wiederum ein anderes Mal begleiteten uns zwei Jungs eine Weile auf ihrem Motorrad. Nach einer Weile verschwanden sie, nur um kurze Zeit spaeter wieder mit einem Dritten im Bunde aufzutauchen. Sie waren zu ihrem heimatlichen Ger gefahren, was wir ein paar Huegel neben der Strasse erspaeht hatten und schenkten uns etwas von dem selbstgemachten Ziegenkaese, der zur traditionellen Nahrung hier gehoert. Da fuer die Nomaden ausschliesslich Tiere als Ausgangsbasis fuers Essen dienen, findet man hier eigentlich nur Fleisch- und Milchprodukte auf dem Land. Vor allem Ziegen und Schafe werden dafuer verwendet. Aber auch Pferde-, Rind- und Kamelfleisch steht auf dem Speisezettel. Saemtliche oben genannte Tiere liefen uns auch in natura ueber den Weg. Ob Schaf-, Ziegen-, Kamel-, Pferde- oder Rinderherden (Video). Alles war vertreten. Vor allem Pferde sind manchmal erstaunlich neugierig und beaeugen uns auch aus der Naehe (Video1, Video2).

Schieben durch sandiges Flussbett.

Manchmal schliefen wir nun auch ohne Zelt. Der Vorteil an einer Wueste ist naemlich auch, dass dort keine Muecken zu finden sind. Ist einfach zu trocken. (Dafuer gibt es Motten ohne Ende, aber das ist eine andere Geschichte.) Die letzten beiden Tage vor Mandalgov gingen aber auch langsam an meine Nerven. Der staendige Wechsel zwischen Fahren und Schieben, wenn eine sandige Stelle kommt, ist ja schon fordernd genug. Doch am schlimmsten waren fuer mich jene Buckelpisten, die sich fahren wie ein Waschbrett. Fuerchterlich! Ich konnte immer gar nicht verstehen, wie Sven an diesen Stellen so schnell sein konnte und verfluchte ihn innerlich, ob seines Verrats. Soll er gefaelligst mit mir gemeinsam leiden ;-) .
Doch schliesslich erreichten wir in der Mittagszeit des 24.7. Mandalgov, das Hauptstaedtchen der Provinz Dundgovi, was uebersetzt nichts weiter als Mittelgobi heisst. (Die Provinz befindet sich allerdings am Nordrand der Gobi, weswegen der Name etwas irrefuehrend ist.)

Neugierige Pferdeherde.

Wir sehnten uns nach zwei erholsamen Naechten im Hotel mit fliessend Wasser. Wir wurden allerdings erst beim dritten Hotel fuendig. In einigen gab es nicht mal auf dem Gang ein Dusche, sondern nur ein Waschbecken. So griffen wir diesmal gern etwas tiefer in die Tasche fuer unsere Unterkunft. Schliesslich geben wir in der Wueste nicht einen Cent aus und so passten die 15 Euro fuer die Unterkunft durchaus in unser Bugdet. Wir nahmen uns ein schoenes Zimmer, mit eigener Dusche, Wasserspender mit eingebautem Wasserfilter und als besonderem Highlight einem kleinen Kuehlschrank. Welch Luxus ;-) . Gluecklich und erschoepft spuelten wir uns den Staub von unseren Koerpern…

Mandalgov (24. – 28.07.)

(S) Mandalgov ist zwar die Hauptsatdt des „Dundgobi-Aimags“ („Mittelgobi Provinz“) und mit ueber 10.000 Einwohnern fuer monglische Verhaeltnisse quasi riesig, aber um ehrlich zu sein, ist hier nicht viel los.

Im (leider leeren) Kaufhaus.

Die zwei Hauptstrassen sind mit Asphalt bedeckt (jeweils ca. 1000 Meter) und entlang dieser liegt das Zentrum. Ein etwas in die Jahre gekommener Plattenbau russischen Typs dient als Einkaufszentrum. Frueher war dies wohl mal ein Buerogebaeude, nun dient jeder manchmal nicht einmal 15 Quadratmeter messende Raum als Ladenflaeche. Man findet keine gerade Wand, dafuer aber Bekleidung und Lebensmittel, selbst ein Schuster hat sich im Flur breit gemacht. Es gibt Huete, Stiefel, Lederguertel, Reis, Medikamente, Aepfel, Schokolade, Brot, Bier, u.s.w. Die Auswahl ist nicht riesig, aber man findet alles was man braucht (obwohl ich Zweifel habe, dass ich dort Schuhe in der Groesse 46 aufgetrieben bekommen wuerde … das war bei den „kleinen Chinesen“ bereits schwierig genug). Wie ueberall in der Mongolei sind viele Produkte auch in Deutsch beschrieben: „Gut und Guenstig“ die Hausmarke von Edeka erweckt ein vertrautes Gefuehl in den Regalen und auch, dass „Odenwald Apfelmus“ hier mitten in der Gobi ueberall angeboten wird, wirkt ein wenig surreal.

Im Museum:
Einblick in eine Jurte.

Macht nix, schmeckt trotzdem gut. Ansonsten gibt es hier noch ein kleines Museum, das uebliche Telekommunikationszentrum, wo drei aeltere Rechner zu einem Internetcafe zusammengefasst sind, ein paar Teestuben (dort bekommt man ausser salzigem Tee auch etwas zu Essen), eine nie geoeffnete Touristeninformation, einen immer leeren (weil teuren), aber klimatisierten Supermarkt und zwei bis drei Karaokebars. Ein paar Statuen, zeigen neben Lenin und Yuri Gagarin, auch den mongolischen Revolutionshelden Damdin Süchbaatar und in typisch sowjetischem Stil ein paar freudige Arbeiter. Alles ist von einem rostigen Zaun eingeschlossen und wirkt irgendwie verlassen, fast vergessen. Ausserhalb des Zentrums findet man (auch das ist hier typisch) von Holzzauenen eingefasste Grundstuecke. Dort stehen neben einigen festen Gebaeuden, viele Jurten. Unsere erste Assoziation ist ein roemisches Legionaerslager irgendwo in Gallien, wo ein benachbartes Dorf mit Hilfe eines geheimnisvollen Zaubertranks energischen Widerstand leistet. Auch nach langem Suchen haben wir allerdings weder Asterix, noch Obelix gefunden, auch die Roemer waren wohl nie hier.

Und Lenin wacht
immer noch.

Die letzten Tage in der Wueste waren anstrengender als wir vermutet hatten. Eigentlich wollten wir lediglich zwei Tage hier verweilen. Vorraete auffuellen, Raeder in Stand setzen, mal wieder ausschlafen und im Internet unsere weitere Strecke planen. Aber alles dauerte laenger als erwartet. Am ersten Tag schafften wir es gerade mal, fuers naechste Fruehstueck einzukaufen. Am zweiten Tag bekamen immerhin unsere Raeder ein wenig Liebe und Aufmerksamkeit geschenkt. Allerdings fuehlten wir uns bei dem Gedanken, gleich am naechsten Tag wieder aufzubrechen, viel zu gestresst. Es fiel der Entschluss: „Einen Tag Ruhe, soviel Zeit haben wir.“. Immer noch mussten wir unsere Vorraete aufstocken, dass fuellte unseren dritten Tag in Mandalgov. Als wir abends bei einem Bier Skat spielten, merkten wir, dass unsere Planung ja eigentlich noch einen Tag „Nichtstun“ vorgesehen hatten – also noch eine weitere Nacht in Mandalgov. Am Ende kannten wir jedes Restaurant und jedes (!) Essen im Ort. Die Speisekarten sind zwar meist riesig, aber in der Regel gibt es immer nur 3-4 verschiedene Gerichte:

Hauptstrasse.

(a) oeliger Reis, (b) oeliger Reis mit Fleisch, (c) oeliger Reis mit Fleisch und etwas Ei, (d) oeliger Reis mit etwas weniger Fleisch und etwas mehr Ei. Manchmal noch ein Hacksteack, ebenfalls in den Varianten mit oeligen Reis und wahlweise mit etwas weniger oder etwas mehr Ei (was lustigerweise verschiedene Namen hat und gleichviel kostet – Hannes war ziemlich enttauescht das weniger-Ei-Gericht erwischt zu haben :) ). Im Ausnahmefall gibt es noch Nudeln (in den Varianten mit Fleisch/Ei/etwas mehr Ei) und das wars. (J: Noe, da gibt es noch eine Suppe aus Bruehe und Fleisch mit ebensoviel Fett, die genauso viel kostet, wie alle eben beschriebenen Gerichte. Als ich die bekam, machte ich ein noch laengeres Gesicht als sonst schon.) Dazu trinkt man dann ueblicherweise Bier (das hier in der Mongolei langsam aber sicher den Wodka als beliebtestes alkoholisches Getraenk verdraengt), ausser natuerlich am 25.ten eines jeden Monats.

Wieder unterwegs.

Dann darf aus irgendwelchen Gruenden kein Alkohol verkauft werden … klingt komisch ,ist aber so. Nach vier Tagen kannte man uns im Ort schon (v.a. im Einkaufszentrum, wo wir bei einer unglaublich langsamen und desinteressierten Verkaueferin jeden Tag unser Brot holten). Auf der anderen Seite empfanden wir ein paar Touristen, die hier kurz auf ihrem Weg in die Gobi stoppten schon als Eindringlinge :) . Nach vier Tagen waren wir ausgeruht und setzten uns wieder auf unsere Raeder.

Auf in die Hauptstadt (28.07. – 02.08.)

Die Gobi begruesste uns wieder mit Gegenwind. Dazu kam ein wenig Regen (es regnet hier wirklich weit haeufiger, als wir dies erwartet haetten) und sandige Strassen.

Unsichere Stromversorgung.

Wir kaempften uns langsam vorwaerts: Mal schoben wir, mal fuhren wir, zwischendrin fielen wir :) . Ueberraschenderweise zerrte dieses Gekaempfe bei keinem von uns an den Nerven. Wir nahmen es einfach hin, redeten nicht viel und hofften auf bessere Strassen. Dieser Wunsch wurde uns nach einem halben Tag tatsaechlich erfuellt. Wir folgten einer Route, die wir auf den Satellitenbildern als Strasse (zumindest als etwas, das man hier so nennt) identifiziert hatten. Leider war unsere Wahl nicht die beste gewesen: Die Sandpisten waren aus dem All zwar gut zu erkennen, aber nicht ganz so ideal zum Radeln :) . Irgendwann wurde der Untergrund allerdings fester und wir hatten sozusagen die „Hauptstrasse“ gefunden. Wir hatten uns entschieden nicht auf direktem Weg nach Ulan Bator zu fahren: Zum einen genossen wir die Ruhe und Einsamkeit durchaus und wollten uns von der befahreneren Strecke fernhalten, zum anderen steuerten wir gerade auf die Klosterruine Sum Khoekh Burd zu. Wir wollten diesen kleinen Schlenker mit etwas Sightseeing verbinden.

Aufgeklart: Wieder
blauer Himmel.

Mitten im Nichts trafen wir auf ein paar mongolische Arbeiter, welche mit der Instandsetzung eines Transformatorhaeuschens beschaeftigt waren. Gluecklicher Zufall: Sie verrieten uns eine Abkuerzung. In typisch mongolischer Manier: „Seht ihr die Holzverschlaege dort hinten? Ja? Links vorbei. Die Berge? Na die zwei Spitzen dort? Genau. Dort muesst ihr durch!“ Wir folgten erst ein paar Autospuren, die sich langsam im Nichts verliefen, irgendwann steuerten wir querfeldein die angegebenen Staelle an. Auch dort keine Spur von so etwas wie einer Strasse. Tja, rechts oder links? Unsere Wahl fiel auf rechts … nach ca. einem Kilometer fanden wir wieder einen ausgefahrenen Weg, dem wir nun folgten – schnurstraks ging es auf die Berge (okay, okay Huegel) zu. Noch am Fusse von diesen schlugen wir unser Lager auf … Wieder mal ein Gluecksfall: Als wir abends ein wenig klettern gingen, um einen Blick ueber die hinter uns liegende Ebene zu werfen, sahen wir etwas weiter westlich zwei Autos parallel zu unserem Weg fahren. Ein Blick aufs GPS verriet: Vielleicht waere an den Staellen ein Abbiegen nach links die bessere Wahl gewesen. Macht ja nix, zumindest wussten wir nun, das es fuer uns eine alternative Strecke gab.

Abendliche Entdeckungstour..

Als wir am naechsten Morgen feststellten, dass wir uns immer weiter von unserem Ziel entfernten, hiess es wieder einmal: querfeldein. Schon bald trafen wir auf den anderen Weg und lagen wieder auf Kurs. Lediglich einmal verfuhren wir uns noch, aber am fruehen Nachmittag erreichten wir „Sum Khoekh Burd“. Hier ist auf den Ueberresten eines buddhisten Klosters, ein Palast errichtet worden. Schon laengst wieder zerfallen thronen die Ruinen inmitten eines Sees, der allerdings in den Sommermonaten weitgehend austrocknet. Immerhin gab es eine kleine Quelle, wo wir wieder kuehles, erfrischendes Wasser auftanken konnten, bevor wir neben dem verfallenen Gemaeuer Mittag machten. Judith hatte schon seit zwei Tagen mit einem leichten Durchfall zu kaempfen, war dementsprechend etwas geschwaecht und so bekam sie von Dr. Hannes und Dr. Sven Bettruhe verordnet und aus unserem Mittagsrastplatz wurde ein vollwertiges Nachtlager.

Klosterruine.

Noch ein paar mal kamen Jeeps bzw. Minivans vorbei, spuckten eine Ladung Touristen aus, verschlangen sie kurze Zeit spaeter wieder und verliessen uns mit laut heulenden Motoren. Als es langsam zu daemmern begann, hatten wir unsere liebgewonnene Ruhe wieder, auf der anderen Seite gab es zwar ein Gercamp fuer Touristen, aber die alten Mauern schuetzten uns vor direktem Blickkontakt. Nur ein paar Pferde und Kuehe, die wie wir die Wasserquelle ansteuerten, zogen ihre Kreise.

Naechstes Ziel: Ulan Bator. Noch 200 Kilometer Gobi lagen vor uns. Allerdings wurde es nun merklich gruener und auch voller. Zum einen fuhren manchmal bis zu zehn Autos am Tag an uns vorbei, zum anderen waren wir mitunter von bluehenden Schnittlauchfeldern umgeben.

Schnittlauch?! Ja, Schnittlauch.

Schon frueher waren wir darauf gestossen: Ein typisches Gewaechs der Gobi ist Schnittlauch?! Nun sahen wir ganze Felder, die sich bis zum Horizont erstreckten. Die Wege blieben holprig, manchmal sandig, aber immer seltener mussten wir absteigen.

Auch das Wetter meinte es gut mit uns: kaum Gegenwind. Immer mehr Jurten standen rechts und links des Weges. Ab und zu kamen die neugierigen Bewohner um uns „Sain Baina!“ („Hallo“) zu sagen. Mal mit Motorrad, mal stilecht mit Pferd. Diese kurzen Besuche waren meist sehr angenehm, die Unterhaltung funktioniert hier viel, viel besser als zum Beispiel in China: Hat man dort fast keine Gesten benutzt, ist das hier (wie bei uns auch) Standard.

Nomade.

Man zeigt, man malt, manchmal helfen auch ein paar Woerter Russisch, Englisch oder Deutsch weiter. Wir teilten unsere Kekse und Aepfel, bekamen etwas Kaese, und nach einem kurzen Plausch zogen alle wieder gut gelaunt ihrer Wege. Zwischendrin bekamen wir sogar die Gelegeheit ein wenig Deutsch zu reden: Ein Jeep brauste erst vorbei, die Insassen winkten aufgeregt. Kurze Zeit spaeter stoppte dieser. Anika und Felix aus Berlin standen vor uns: Sie hatten acht Tage Mongolei hinter sich. Neben der Wuestentour sind die beiden per Pferd durch Waelder zu versteckten Seen geritten. Reiterfahrung? Keine. Wir tauschten uns aus, jedoch leider nur kurz, ihr Jeep wartete. Die beiden wuerden in wenigen Stunden in Ulan Bator sein, wir erst in wenigen Tagen.

Doch ausser der netten Erinnerung bleibt noch etwas mehr: Wir freundeten uns mit dem Gedanken an, hier in der Mongolei, dem Land der Pferde, doch auch mal dieses Transportmittel auszuprobieren … doch eins nach dem anderen. Erstmal mussten wir in die Hauptstadt fahren, unsere mongolischen Visa verlaengern und neue fuer Russland beantragen, damit wir unsere Reise nach Hause fortsetzen koennen.

Mal wieder Berge.

Um uns herum war immer noch Steppe, vor uns immer noch Sandweg und irgendwann, nach ueber 900 Kilometern ohne feste Strasse bogen wir auf einmal auf einen Asphaltweg ein. Ein Strassenschild verkuendete „Ulaan Baatar – 35″. Rechts und links gab es Haeuser. Wir stoppten an einem kleinen Laden und goennten uns ein Eis, bevor wir noch einen letzten Huegel erklommen. Vor uns lag in einem Flusstal die mongolische Hauptstadt. Von hier oben sah alles aus wie ein ausgebreitetes Dorf. Kaum ein hohes Gebaeude war zu erkennen. Wir rasteten, genossen diesen ungewohneten Anblick einer richtigen Stadt, bevor wir mit 50 km/h, so schnell wie lange nicht mehr, auf die Stadtgrenze zurollten.

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