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| 20 Minuten Busfahrt nach Ulan Bator. |
Leben in der Gersiedlung (02.-08.08.)
(H) Als wir am 2. August in Ulan Bator ankamen, ging es wie immer bei der Ankunft in einer neuen Stadt darum, eine Unterkunft zu besorgen. Ueber couchsurfing fanden wir diesmal bei Sabina Unterschlupf. Ein Anruf per Skype (Telefonieren via Internet) und sie lotste uns zu sich nach Hause. Wir wunderten uns ein wenig, als wir dabei die Stadt wieder verliessen. Sabina wohnt naemlich nicht in Ulan Bator selbst, sondern in einem kleinen Vorort, Jarmag mit Namen, der ca. 10 km vor der Hauptstadt liegt. Wir staunten nicht schlecht, als wir ankamen: Auf einem Grundstueck in einer der typischen Gersiedlungen, die wir auch schon an den Stadtraendern anderer mongolischer Staedte gesehen hatten, standen ein Haus mit einer einladenen Terrasse und zwei Gers. Die Sonne schien und ein Haufen Leute wuselten auf dem Hof herum. Wir waren scheinbar nicht die einzigen, die den Weg hierher gefunden hatten. Sabina stand in der Eingangstuer, hiess uns willkommen und drueckte jedem von uns einen Teller mit Essen in die Hand. Waehrend wir futterten, unterhielten wir uns mit einigen anderen Gaesten. So erfuhren wir, dass, obwohl Sabina eigentlich ein Guesthouse fuehrt, alle hier umsonst lebten.
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| Wer duschen will muss Wasser holen. |
Dafuer musste allerdings manchmal Wasser aus dem Dorfbrunnen geholt werden und am Abend war es ueblich, dass jeder mal ein Gericht aus seiner Heimat fuer die ganze Mannschaft kochte. Alles in allem herrschte eine wunderbare offene Atmosphaere zum Wohlfuehlen.
Nun standen wir aber vor einem Dilemma: Wir hatten uns nach den entbehrungsreichen Wochen in der Wueste eigentlich auf ein gemuetliche Bleibe mit warmer Dusche direkt in der Stadt gefreut. Fliessend Wasser, abends Ausgehen und alle Annehmlichkeiten einer Grossstadt. Auf all das muessten wir hier verzichten. Wir brauchten eine kleine Weile, um uns zu einigen, entschieden uns aber letztendlich dennoch hier zu verweilen.
Die folgende Woche nutzten wir gruendlich zum Entspannen und zur Klaerung unserer Weiterreise. Dafuer galt es zuerst unsere mongolischen Visa, die nur noch eine Woche gueltig waren, zu verlaengern und zweitens uns ein russisches Visum zu besorgen, was recht schwierig sein sollte, wie wir gehoert hatten. Tatsaechlich war die Verlaengerung kein Problem und wir bekamen 30 zusaetzliche Tage in unseren Pass gestempelt. Beim Visum fuer Russland sah die Lage anders aus: Durch verschiedenen Quellen erfuhren wir, dass es wohl unmoeglich sein wuerde hier ein Touristenvisum zu bekommen.
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| Unser Leben im Ger. |
Einzige Moeglichkeit waere ein Transit, der allerdings nicht laenger als zehn Tage dauern duerfte. Also entschlossen wir uns dazu, unsere Paesse zu einer deutschen Reiseagentur in Hamburg zu schicken. Dort sollte es kein Problem sein ein Visum zu erhalten. Wir druckten die Antraege aus dem Internet aus, stiefelten zum oertlichen DHL-Buero, stopften unsere Paesse samt Antraegen in einen Umschlag und schickten ihn auf eine Reise um den halben Globus. Nachdem das geklaert war, hiess es nun warten.
Wir lernten ein wenig die Stadt kennen und trafen auch ein paar interessante Leute. Ulan Bator ist anzusehen, dass es seit ein paar Jahren ein enormen Wachstumsschub durch den Zuzug der Landbevoelkerung erfaehrt. Es gibt viele Baustellen und jeden Morgen faehrt ein riesiger Menschenstrom mit den Bussen ins Zentrum (genau wie wir
). In der Innenstadt stehen einige moderne Hochaeuser sowie etliche Ueberbleibsel aus der Sowjetzeit. In den Aussenbezirken reiht sich Ger an Ger, nur getrennt durch einen (in europaeischen Augen schaebigen) Bretterzaun. Hier siedeln sich die neuen Zuzuegler an.
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| Wasser zum Zaehneputzen, Abwaschen, Kochen und Trinken. |
Gleich am ersten Abend fanden wir eine E-mail von Andrea in unserem Postfach. Sie ist eine alte Radreisefreundin von Ruth, bei der wir in Dresden am Anfang unserer Reise uebernachtet hatten. Sie wollte hier ein paar Wochen zusammen mit Betzgi, einem schweizer Radler, durch die Mongolei touren. Er hingegen war auch schon seit drei Monaten unterwegs und traf Andrea nun in Ulan Bator. Wir verabredeten uns per E-mail, trafen uns aber witzigerweise kurz darauf in einem Restaurant. Dort verbrachten wir dann den restlichen Abend beim Austausch diverser Reisegeschichten.
In Jarmag selbst trafen wir einen Mongolen, der in den 80ern in der DDR studiert hatte und immer noch die deutsche Sprache beherrschte. Er erzaehlte uns, dass er einen kleinen Stand auf dem Blackmarket, dem groessten Markt der Stadt, besitzt. Dort handelt er mit Drogerieartikeln, die er selbst aus China importiert. Importieren bedeutet in diesem Falle, dass es mit Zug oder Jeep nach Erlian faehrt (Erlian war der chinesische Grenzort, in dem auch wir eine Nacht verbrachten) und dort seine Waren auf dem Markt einkauft und mit ihnen zurueck nach Ulan Bator faehrt.
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| Jarmag, unsere Gersiedlung vor Ulan Bator. |
Er zog auch ganz schoen ueber die Chinesen her, die in der Mongolei leben und haette sie am liebsten alle auf der Stelle aus dem Land gehabt. Wir haben des oefteren gehoert, dass viele Mongolen nicht so gut auf Auslaender zu sprechen seien, haben es aber bis auf dieses eine Mal nie direkt erfahren.
Wer mal in Ulan Bator vorbei kommt, dem empfehle ich einen Besuch im Nationalmuseum. Es wird als eines der besten der Reise in Erinnerung bleiben. Wir haben dort zusammen mit Julia, einer Franzoesin, die ebenfalls bei Sabina wohnt, einen Vormittag verbracht. Sie erzaehlte uns auch von ihrem Reitausflug, den sie mit Hilfe Sabinas organisiert hatte.
Reisen auf mongolischen Pferden (09.-11.08.)
(J) Seit Anika und Felix uns drei Fahrradtage vor Ulan Bator aus ihrem Jeep mit Gummibaerchen und Aprikosen beschenkt und von ihren Reiterlebnissen in der Mongolei geschwaermt hatten, dachten wir immer angestrengter darueber nach, wie wir selbst es anstellen koennten, auch einmal auf einem Pferderuecken ueber die weite Graslandschaft zu galoppieren.
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| Im Honda aufs Land. |
Dann wuerden uns Sand und loser Kies, das holprige Waschbrettmuster der festgefahrenen Wege, Gegenwinde und das Hoch und Runter der weiten Huegelketten nicht mehr anstrengen. Wie romantisch war die Vorstelung, mit einem Grashalm zwischen den Lippen dem Sonnenuntergang entgegen zu trotten: „… a poor lonesome Cowboy“.
Dennoch kam die Entscheidung, uns mit Sabinas Hilfe drei Pferde zu leihen und einen Guide zu engagieren, sehr spontan: Am Abend des 8.Augusts erzaehlten uns die beiden polnischen Reisenden Anna und Justina von ihrem Vorhaben, am 10.08. aufs Land aufzubrechen und wir ergriffen die Gelegenheit und schlossen uns an. So blieb uns nur ein einziger Tag fuer die Vorbereitung. Unsere Sachen mussten gepackt, Proviant besorgt und Fagen ueber Fragen geklaert werden. Keiner von uns fuenfen hatte bereits ernsthaft auf einem Pferderuecken gesessen.
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| Wer bekommt wohl welches Pferd?. |
Wir wussten nicht, wieviel so ein Tier tragen konnte oder wie man Dinge an ihm befestigte. Wir hatten auch keine Ahnung wer wieviel und was essen wuerde und so standen Hannes und ich zusammen mit Sabina am 9.August etwas ratlos in einer Markthalle am Stadtrand der mongolischen Hauptstadt. Es existierte eine rudimentaere Liste, die aber nie jemand ausser uns absegnen wollte. Reis und Nudeln standen an erster Stelle, ein paar Tuetensuppen, Zwiebeln und Moehren, einige Aepfel fuer zwischendurch folgten. Zum Fruehstueck sollte es Brot geben, dazu Butter und Marmelade. Wir kauften Trinkwasser in Flaschen. Mit einem flauen Gefuehl hasteten wir von einem Stand zum naechsten. Sabina suchte die Theken aus und wir folgten ihr. Darauf bedacht, dass uns Taschendiebe unsere Vorraete streitig machen koennten, behinderten die vor unseren Baeuchen baumelnden Beutel das Laufen. Endlich verstauten wir alles sicher im Auto und knatterten zurueck in die Gersiedlung vor der Stadt.
Am naechsten Tag ging es los. Eine Satteltasche und diverse Radtaschen stapelten sich im Kofferraum des alten, weissen Hondas. Sabina setzte sich ans Steuer und Sven nahm als groesster und schwerster Teilnehmer der kleinen Reisegesellschaft auf dem Beifahrersitz Platz.
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| Mit Kocher, Zelt und Proviant, schwerbeladen unterwegs. |
Anna, Justina, Hannes, unser Guide und ich verstauten uns auf der schmalen Rueckbank. Fuenf Leute auf einer Bank fuer eine Strecke von dreissig Kilometern Fahrt in die Steppe; man sollte vielleicht glauben, das sei unmoeglich. Diese Annahme ist jedoch falsch, denn wir hatten sie bald widerlegt. Anna und Justina teilten sich den linken Sitz. Daneben draengte sich Hannes in die Mitte und rechts wand sich unser Guide hinein. – Sein Name liess sich einfach merken. Er hiess Toeroe. Assoziationen zu einem sprechenden Elefanten aus Kindertagen tauchten auf. Er sprach leider kein Wort Englisch, dafuer etwas Russisch, das er waehrend seines Bergbaustudiums in der Ukraine gelernt hatte.- Ich machte es mir dann zu den Fuessen der vier bequem und zog den Kopf ein, wenn sich eine Polizeistreife naeherte. Bis wir die Stadt verlassen hatten, ging alles gut, dann aber schlug das voellig ueberladene, alte Auto immer haeufiger durch und setzte von Minute zu Minute haufiger auf. Zu allem Ueberfluss zischte nach 20 Kilometern der rechte, hintere Reifen. Wir hatten einen Platten und Sabina hielt. Wir stiegen aus, zogen die Taschen aus dem Kofferraum, damit das Ersatzrad hervorgeholt werden konnte.
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| Durch den Wald. |
Ein Wagenheber wurde unter die Karosserie geschoben und bald war der Honda wieder einsatzbereit, aber diesmal fuhr Sabina mit den beiden Polinnen und unserem Guide Toeroe vor und wir drei warteten am Strassenrand, bis sie uns etwas spaeter einsammelte und nachholte.
Am spaeten Nachmittag kamen wir bei der Nomadenfamilie an. Sie waren einmal Sabinas Nachbarn gewesen, als sie selbst noch in einer Jurte in der Steppe gelebt hatte. Pferde von unterschiedlichen Besitzern grasten in der Naehe der beiden Gers. Sie wurden hier versorgt und gemolken, denn auch Pferde kann man melken
und das Resultat dieser Muehe durften wir nur wenige Augenblicke spaeter probieren. So wurden wir zur Begruessung auf eine Schale Airag in eine der Jurten eingeladen. Man bot uns einige Hocker und eines der grobgezimmerten Betten zum Sitzen an, die in jedem Ger laengs der runden, mit bunten Stoffen verkleideten Zeltwand stehen. (Airag wird aus vergorener Stutenmilch hergestellt und gilt als mongolisches Nationalgetraenk. Es erinnert an fluessiges Joghurt und pricklt erfrischend auf der Zunge.) Zwei kleine Kinder, ein Junge und ein Maedchen, begutachteten uns unterdessen neugierig.
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| Ein Picknick in den Bergen. |
Wenig spaeter bauten wir in einigen Metern Entfernng unsere Zelte auf, kochten und stellten ungluecklich fest, dass wir kein Besteck eingepackt hatten. (Waehrend wir noch ueberlegten, wie wir dieses Missgeschick, was ja auch Toeroe und die beiden Polinnen betraf, beheben konnten, hatten wir Glueck und die Nomadenfamilie lieh uns einige Gabeln.) Dann gingen wir schlafen.
Am Morgen liess uns unser Guide viel Zeit, obwohl wir ungeduldig darauf warteten, dass etwas geschah. Nur Justina, die nicht nur fliessend Deutsch sprach, sondern auch Russisch gelernt hatte, konnte seine Erklaerung verstehen. uDoch auch sie bekam nicht wirklich heraus, warum sich der Aufbruch verzoegerte. In den folgenen beiden Tagen haeuften sich Missverstaendnisse dieser Art, die zumeist auf ungenuegenden Absprachen resultierten. Das Reiten jedoch, das all unsere Konzentration, und die fantastische Landschaft, die all unsere Aufmerksamkeit erforderte, liessen die Kommunikationsprobleme rasch verblassen.
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| Hannes und sein Pferd. |
Beim Fruehstuecken beobachteten wir, wie die Nomadenfamilie die Stuten molk und einzelne Pferde aus der Herde einfing, in die Naehe der Gers brachte und an einem uebermannshoch gespannten Seil befestigte: Unsere Reittiere. Sie waren nicht gross, denn mongolische Pferde sind in der Regel kleiner, als die, die man in Deutschland sieht. Sie schnupperten aneinander, schnaubten und legten ihre Koepfe auf die Ruecken ihrer angebundenen Artgenossen. Sie genossen allem Anschein nach die Naehe der anderen. Ihre Friedfertigkeit wurde allerdings fuer kurze Zeit auf die Probe gestellt, als sich ihnen ein dunkelbrauner Hengst anzueglich naeherte. Eine Stute schlug entruestet ueber die ungewollte Aufmerksamkeit aus und sofort wurde der Hengst mit gezielten Steinwuerfen von Seiten der Nomadenfamilie vertrieben.
Bis wir die Pferde beluden, verging Zeit, doch schliesslich band Toeroe je zwei Saecke mit Spanngurten aneinander und warf sie ueber die Ruecken der Tiere. Sobald auch die europaeischen Saettel festgezogen worden waren – damit sind Saettel gemeint, die im Gegensatz zu den mongolischen flach und gepolstert sind – wurden wir aufgefordert aufzusteigen.
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| Edelweiss. |
Anna zuerst, dann winkte Toeroe mich heran. Das Aufsteigen an sich war nicht schwer, doch dann sass ich dort oben und hatte keine Ahnung, wie ich mit dem Tier umgehen sollte. Fuer einen Augenblick liess unser Guide das Fuehrungsseil los. Ich hielt den Atem an, doch mein Pferd galoppierte nicht augenblicklich los, wie ich es befuerchtet hatte, und ich atmete aus.
Als wir alle sassen und uns nun gegenseitig an den Fuehrungsseilen hielten, stieg auch Toeroe auf. Er nahm das Fuehrungsseil des ersten Tieres und im Gaensemarsch ging es los. Nur wenig spaeter war Sven der erste, der sich von uns loeste und alleine die Zuegel in der Hand nahm. Sein Pferd blieb augenblicklich stehen und pinkelte in Sturzbaechen. Sven machte ein komisches Gesicht, so hatte er sich das wohl nicht vorgestellt. Nach und nach aber lernte er sein Pferd besser kennen und kontrollieren. Dann folgten wir anderen und schauten es ihm ab. Toeroe griff wenig ein und liess uns ausprobieren, solange wir ihn nicht ausdruecklich um Hilfe baten. Soviel zur mongolischen Art, das Reiten zu erlernen. Wir waren voll und ganz mit uns und den Tieren beschaeftigt und merkten daher kaum, wie sich die Landschaft um uns herum veraenderte.
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| Mein Pferd und ich. |
Im Schritt ritten wir an einem Oovo vorbei, einen Huegel hinunter und liessen eine kleinere Stadt hinter uns. Die Jurten wurden seltener. Wir ritten ueber das harte Gras der Steppe, ueber seichte Huegel hohen Bergen entgegen. Als wir das naechste Mal anhielten, standen wir vor dem Eingang des Nationalparks um den 2122 Meter hohen Bogdkhan Uul nur ein paar Kilometer suedlich Ulan Bators. Toeroe wollte uns zu einem Kloster in diesem Park fuehren und wir schauten ihn erstaunt an. Wir hatten damit gerechnet bis in die Abenddaemmerung zu reiten und dann unser Lager aufzuschlagen. Justina und ihren Russischkenntnissen war es zu verdanken, dass es uns gelang, ihn von seinen Plaenen abzubringen und so betraten wir den Park schliesslich auf einem Nebeneingang fuer weniger Eintrittsgeld und liessen uns hungrig in einer gruenen Niederung zum Mittagessen nieder. Wir waren wohl alle froh, fuer einige Zeit absitzen zu koennen, denn zu unserem Erstaunen, war es nicht nur der Hintern, der uns schmerzte, weil uns das Pferd staerker durchruettelte, als es das Radfahren ueber das Waschbrettmuster der Wuestenwege vermochte, sondern viel mehr die Knie, die unter der ungewohnten Beinstellung litten.
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| „Mo“ heisst schlecht. |
Das Absteigen wurde zum schmerzhaften Haertetest und die ersten Schritte auf festem Untergrund waren steif, o-beinig und schwankend. An das Fahrradfahren hatten wir uns eindeutig leichter gewoehnen koennen.
Doch waehrend wir im Gras sassen, das Essen bereiteten und die Pferde beim Grasen beobachteten, schauten wir uns zum ersten mal um und staunten. Gruene, saftige Wiessen zogen sich die hohen Bergruecken hinauf, vor uns lag ein Nadelwaeldchen und direkt neben uns in der Niederung gab es eine kleine Quelle, die die braune Erde durchtraenkte und zahlreichen Tieren als Wasserstelle diente. Es roch nach feuchem Gras und Pferdehaar.
Nach dem Essen schlugen wir unser Lager auf und verstauten das Gepaeck in den Zelten, denn soweit war es zum Kompromiss mit Toeroe gekommen. Wir wuerden die Nacht hier verbringen, doch am Nachmittag noch einen kleinen Rundritt in das Waeldchen unternehmen. Es wurde ein fantastischer Ausflug. Unser Weg fuehrte zunaechst kontinuierlich bergauf und die Wiesen wurden bunter und bunter. Blauleuchtender Enzian, zartlila Glockenblumen, fransige Flockenblumen und roter Wiesenknopf, Disteln, Klee, gelber Hahnenfuss und rote Lichtnelken bluehten in unueberschaubarer Zahl.
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| Auch Sven mag sein stoerrisches Biest. |
Und zwischendrinnen, ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, reckten tausende von pelzigweissen Edelweisskoepfchen sich der Sonne entgegen. In der Mongolei sei diese Blume Symbol fuer die Ewigkeit, erklaerte uns Toeroe und schenkte jedem eine. Bevor wir den Weg verliessen und in das Unterholz des Waelchens ritten, achtete Justina fuer einen kurzen Moment nicht auf die Schritte ihres Pferdes. Gemaechlich trottete es unter einen tiefenhaengenden Ast und striff seine Reiterin so langsam von seinem Ruecken. Erschrocken schrie Justina auf. Ihr Pferd begann augenblicklich zu galoppieren. Der Sattelgurt riss und sie fiel. Die Pferde, die hinter und neben ihr getrottet waren, erschraken sich ebenfalls und gingen durch. Langsam rutschten Hannes und Sven aus ihren Saetteln und landeten ebenfalls im Gras. Anna und ich sassen ab um zu sehen, was geschehen war. Toeroe sammelte die Pferde ein, die sich schnell beruhigt hatten und nur wenige Meter entfernt friedlich begannen zu grasen. Den verunglueckten Reitern war nichts geschehen. Es blieben gepresste Schultern und gezerrte Muskeln, sie hatten Glueck gehabt. Es wurde der gerissene Sattelgurt repariert und die der anderen Saettel nachgezogen. Toeroe bedeutete uns vorsichtig weiter zu reiten und moeglichst nicht zu Galoppieren, denn das Material aller Saettel sei alt und morsch und musste moeglichst bald ueberholt werden. Nach einer Pause ging es weiter und tiefer in den Wald hinein.
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| Spiel im Abendlicht. |
Der Untergrund wurde steiniger und war bald fuer die Pferde nicht mehr zu begehen. Wir kehrten um. Nun ging es bergab zurueck zum Lagerplatz. Staendig mussten wir aufpassen, dass die Tiere nicht anfingen zu traben, denn unsere Knie begannen immer hartnaeckiger zu protestieren. Als wir am Lager ankamen, begannen wir erschoepft und hungrig unser Abendessen zu bereiten. In einem Ger in der Naehe holten wir Wasser und bekamen ein frittiertes sehr frisches Brot geschenkt, das den ersten Hunger stillte. Der Abend war lau. In der Ferne meinten wir Woelfe heulen zu hoeren. Die Pferde grasten zu zweit aneinandergebunden und verschwanden bald in der Dunkelheit der Nacht.
Am nachsten Tag unternahmen wir einen weiteren kleinen Rundritt einen Berghang am Rande des geschuetzten Gebietes hinauf. Der Anstieg war steiler als gestern und die Pferde schnauften unter ihrer Last. Oben angekommen hatten wir einen weiten Ausblick in das Nachbartal und auf das Kloster.
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| Die Abloesung am Abend. |
Wir picknickten und genossen die warmen Sonnenstrahlen, bis wir zum Lager zurueckkehrten und unsere Sachen zusammenpackten. Auf dem Rueckweg wurde nicht viel gesprochen, denn die Knie schmerzten bei den meisten von uns fast unertraeglich. Kurz bevor wir die Gers unserer Gastgeberfamilie erreichten schreckte mein Pferd auf und diesmal fiel ich und fand mich Sekundenbruchteile spaeter mit schmerzendem Hinterkopf auf dem harten Steppengras wieder. Mit ausgleichender Gerechtigkeit waren wir nun alle drei gefallen. Ich haette darauf verzichten koennen
. (Es war aber auch mir nichts Ernsthaftes passiert.)
Bei der Nomadenfamilie angekommen, luden wir die Pferde ab und liessen uns in der Spaetnachmittagssonne auf dem Boden nieder, um auf Sabina zu warten, die uns am Abend mit dem Auto abholen wuerde. In sich versunken spielten die beiden Nomadenkinder mit einer Schubkarre. Ihre Eltern kuemmerten sich um die Pferde, Anna traeumte und Justina unterhielt sich lautstark mit Toeroe. Erst als Sabina in ihrem alten, russischen Pogon vorfuhr, der gerade erst nach einer anstrengenden Gobifahrt repariert worden war, wurde es wieder lebendiger.
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| Auf dem Klostergelaende. |
Jimmi und Timmi, ihre Kinder, sprangen freudestrahlend aus dem Kleinbus und schlossen sich den Nomadenkindern an. Zwei neue Gaeste Sabinas begruessten uns. Sie wuerden morgen fuer einen Tag mit Toeroe reiten. Als es bereits zu daemmern begann, ging es zurueck in die Stadt.
(H) Nach der Rueckkehr vom Reiten schwangen wir unsere wunden Hintern ins Internetcafe und bastelten endlich den Blogeintrag ueber unsere Reise durch die Gobi zusammen. Dann fing uns wieder die alltaegliche Suesse des Nichtzutunhabens ein. Judith und Sven besuchten noch ein Kloster mit einer wirklich beeindruckenden Buddhastatue, doch dazu konnte ich mich schon nicht mehr aufraffen. Am Morgen auf der Dachterrasse im Sonnenschein zu fruehstecken, nach Wunsch sich im Fluss abzukuehlen und mit den vielen Gaesten zu schnacken schuf eine entspannte Atmosphaere zum Geniessen. Doch fuehlten wir, dass wir noch einmal losradeln wollten. Zu sehr lockten die waldigen Hoehen der noerdlichen Mongolei von denen wir gehoert hatten. Doch davon mehr im naechsten Bericht…
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