![]() |
| Kanal in St. Petersburg. |
In St. Petersburg und endlich wieder an der Ostsee (26. – 30.9.)
(J) Die Reise veraendert sich, seit wir aus Moskau aufgebrochen sind: Um die grossen Staedte der Ostseekueste kreisen unsere Gedanken nun und sie wirken immer wieder wie warme Lichtblicke auf dem letzten Teil unserer Radtour, deren Verlauf nun gepraegt ist durch den unerbittlich voranschreitenden Herbst. In St. Petersburg stiessen wir zum ersten Mal auf das kleine Meer. Helsinki, Tallin, Riga und Danzig wuerden noch folgen.
Die Sonne tauchte das Bahngleis in ein warmes Licht, als wir gegen Mittag unsere Radtaschen aus dem Zug hievten. Doch ihre Strahlen hatten an Heizkraft verloren. In meine Jacke gewickelt wartete ich, bis Sven und Hannes unsere Fahrraeder aus der Gepaeckaufbewahrung geholt hatten, dann machten wir uns auf den Weg, die Wohnung unserer Gastgeber zu suchen. Alyona und Max wohnten 14 Kilometer ausserhalb des Stadtkernes, im achten Stockwerk eines nagelneuen Hochhauses. Das koennte einiges an Unannaehmlichkeiten mit sich bringen, doch zu unserer Erleichterung fanden wir einen geraeumigen Fahrstuhl vor, in dem selbst die beladenen Fahrraeder Platz fanden.
![]() |
| Orthodoxe Kirche. |
Dazu lag die naechste Metrostation nur einen kurzen, entschlossenen Fussmarsch entfernt. Alyona liess uns ein und einige schoene Tage in St. Petersburg begannen.
Die St. Petersburger bezeichnen sich stolz als Bewohner der zweiten Hauptstadt Russlands. In der Tat ist die Stadt mit ihren 4.5 Mio Einwohnern nach Moskau die zweitgroesste des Landes und ungeheuer reich an kulturellen Einrichtungen und architektonisch aufwendigen Bauwerken. Allein einen ganzen Tag an den unzaehligen Kanaelen entlang zu spazieren, auf kleinen steinernen Bruecken stehen zu bleiben, um einem Maler ueber die Schulter zu sehen, vorbei an den herrschaftlichen Bauwerken mit barrocken und klassizistischen Fassaden zu schlendern und zu schmiedeeisernen Balkons im verspielten Jugendstil aufzuschauen macht Spass und wird nicht langweilig. Alyona lud uns fuer unseren ersten Tag zu einer solchen Tour ein, fuehrte uns auch in Hinterhoefe und zeigte uns manche liebevolle Einzelgestaltung durch Skulpturen und Wandmalereien. Es war ein wolkenloser Samstag. Die Ahornblaetter segelten leuchtendrot von den Aesten und gelbe Laubfelder raschelten unter unseren Fuessen. Am Muendungsdelta der Newa blieben wir fuer Augenblicke stehen und sogen zum ersten Mal seit langem tief den leicht salzigen Duft des Meeres ein. Einige Segelschiffe lagen vertaeut am Ufer und Touristenfeahren fuhren auf ihrem unablaessigen Rundkurs vorrueber. Die Tuerme der Kirchen glaenzten golden ueber den Daechern der Stadt. Erst auf einer der Hauptinseln St. Petersburgs, gegenueber des riesigen Museumsgebaeudes, der Eremitage, liessen wir uns fuer einen Kaffee nieder und ruhten unsere Fuesse vom ungewohnten Laufen aus.
![]() |
| Auf Stadtrundgang mit Alyona. |
Bei mir kuendigten sich Blasen an, ich merkte es ganz deutlich. Meine Hornhaut unter Sohlen und Zehen habe ich beim Radfahren fast gaenzlich verloren. Nun fehlt sie mir schmerzlich. Auch die Laufmuskulatur in den Beinen ist schlapp geworden. In den naechsten Tagen mussten wir alle mit Muskelkater kaempfen.
Da wir schon mal in St. Petersburg waren, liess ich es mir nicht nehmen, auch einen Blick in die Eremitage zu werfen. Weil die Jungen keine Lust hatten, zog ich am Sonntagvormittag alleine los. Die Tiefen der Metrostation verschluckten mich. Die Rolltreppe trug mich in grosser Eile hinunter. Vor und hinter mir befanden sich hunderte, wenn nicht tausende von Menschen mit einer genauen Zielvorstellung. Wie mechanisch verfolgte es ein jeder in der Anonymitaet des riesigen Menschenstromes. Im Sekundentakt kreischten die Bremsen der Zuege, schoben sich Aussteigende an Einsteigenden vorbei, eilten Neuankoemmlinge den Rolltreppen entgegen und endlich befand auch ich mich wieder an der frischen Luft. Die St. Petersburger Metro, so erfuhr ich spaeter, ist die tiefste der Welt.
![]() |
| Regen oder Sonne? |
Die frische Luft, die mich im Stadtkern umfing, begruesste mich leider mit einem gewaltigen Regenguss. Mit tropfenden Haaren und einer durchnaessten Jacke betrat ich den Eingangsbereich der Eremitage. Kunstinteressierte aus der ganzen Welt standen am Ticketschalter. Nachdem ich diese Prozedur endlich hinter mich gebracht hatte und es auch tatsaechlich geschafft hatte, meine Jacke an der vollen Garderobe abzugeben, war ich endlich drinnen und liess mir Zeit. Nicht viel wollte ich sehen, nur die zweite Etage der Kunstausstellung hatte ich mir vorgenommen. Hier hingen Bilder von Van Gogh, Pissaro, Monet, Renoir, Leonardo da Vinci, Rubens, Raffael, Tizian und und und. Auch englische Kuenstler waren darunter, die riesige Abbilder von Koenigen und Fuersten ausgearbeitet hatten und als kleine Abwechslung gab es neben den Bildern auch klassische Statuen und Mosaike, sowie einen ganzen Saal voller Ritterruestungen. Bei letzteren fragte ich mich, wer zum Teufel diese unbequemen Dinger mal getragen hatte und ob man bei heruntergeklapptem Visier ueberhaupt etwas sehen konnte. Sicher, die Verziehrungen aus Gold, die vielen Schnoerkel und Formen waren so und so nett anzusehen. Ach, wie eitel kann ein Mensch doch sein.
![]() |
| Kleine Kuenstler - grosse Kuenstler. |
Ich liess mir viel Zeit und stand manchmal minutenlang vor einem Bild. Ich genoss die Ruhe der Raeume und die Vertrautheit der Stilrichtungen. Es war schon lange her, seit ich zum letzten Mal einen Van Gogh, und wenn es nur ein Druck oder Foto war, gesehen hatte. Hier fiel mir erst richtig auf, wie sehr es mir gefehlt hatte. Unterdessen zogen mannigfache Duftwolken an mir vorbei. Hin und wieder war das trippeln von Pfennigabsaetzen zu hoeren und eine der Ordnungsdamen erhob ihre Stimme und wies die pikierte Traegerin der Schuhe zur Ruhe. Auch ich machte Erfahrungen mit den Ordnungshueterinnen als ich mich zur Betrachtung eines Bildes an eine Heizung lehnte: Verboten. Baenke oder Stuehle gab es aber leider nur in Hallen und Gaengen in denen keine oder uninteressante Kunst ausgestellt war. Ich war kurz davor den Fussboden zu erproben, doch ich liess es bleiben. Es gab auch keine Kunststudenten, die emsig die Bilder grosser Maler studierten. Die meisten Besucher hasteten vorbei: Eine merkwuerdige Stimmung fuer eine der bedeutendsten Kunstausstellungen der Welt.
Neben der Eremitage, die ich alleine besuchte, sahen genossen Sven und ich noch einen Blick vom Dach der Isaakkathedrale und besichtigten zu dritt das Gelaende der Peter-und-Paul-Festung.
![]() |
| Goldener Herbst. |
Vielleicht haben wir fuer unsere drei Tage nicht viel gemacht, doch wir haben die Zeit genossen. Tagsueber in der Stadt, abends und nachts bei unseren Gastgebern. Wir kochten fuer Alyona und Max, fuehrten interessante Unterhaltungen und spielten mit einer Spielekonsole Tennis, Boxen und Golf. Wir sahen Filme und schliefen auf einem bequemen, ausziehbaren Sofa. Am Dienstag, den 30. September brachen wir wieder auf und verliessen St. Petersburg auf dem ersten Radweg seit Esfahan. Das Wetter war milde und warm. Die herbstlichen Baeme leuchteten und bald hatten wir einen kleinen, verschlungenen Weg am Ostseeufer gefunden. Direkt am Ufer schlugen wir unser Zelt auf. Ein altes Paar sass wenige Meter entfernt und genoss den Sonnenuntergang.
Nach einem Jahr zurueck in der EU (1. – 3.10.)
Auf einer wenig befahrenen Nebenstrecke fuhren wir weiter Richtung Finnland. Idyllische Kurorte wechselten sich mit laengeren Strecken durch einsame Herbstwaelder ab. Huegelig erstreckte sich der Weg in unmittelbarer Naehe zur Ostsee. Doch es wurde ein trauriges Strampeln unter einem wolkenverhangenem Himmel. Einem Regenschauer folgte der naechste.
![]() |
| Eine Regenpause an der Ostsee. |
Unsere Jacken waren bald durchnaesst, immerhin war es noch nicht all zu kalt und die stetige Bewegung hielt uns warm. Wenn ich am Morgen aufstand freute ich mich bereits auf die kleine Mittagspause, auf eine heisse Suppe und einen warmen Tee. Hier in Russland habe ich besonders den Borschtsch schaetzen gelernt, einen Rote-Bete-Eintopf mit Kohl und Fleisch. Die Jungs moegen die gelbliche Soljanka lieber, in der viele kleine Wurststueckchen schwimmen. Meist bekamen wir die Speisen in einer richtigen Suppenterrine. Wenn wir den Deckel luefteten dampfte es verlockend und ich legte meine kalten Haende um das Tongefaess bis sie nicht mehr froren. Dann genoss ich jeden einzelnen Loeffel der warmen Zwischenmahlzeit.
Doch, wenn wir keine Pause machten, sondern auf den Raedern sassen, begannen meine Gedanken immer intensiver um unsere Ankunft in Deutschland zu kreisen. Warum nur dieser Regen? Warum fuhren wir nicht einfach mit einer warmen und trockenen Faehre in ein gemuetliches Heim zu den Menschen, die uns sehr gerne auch zwei Monate frueher Willkommen heissen wuerden? (Noch war uns nicht klar, wie bald sich unsere Plaene, an der Ostee heimzukehren, aendern wuerden, aendern mussten…) Statt dessen trommelten die Regentropfen des nachts hart und laut auf unsere Zeltplane.
![]() |
| Ein Sonnenunter am Lagerfeuer troestet. |
Eines Morgens schwammen die Matratzen zu allem Ueberfluss auch noch in unserem Zelt und es blieb uns nicht anderes uebrig, als das komplette Zeug vor Naesse triefend einzurollen und zu verstauen. Die Sachen bekamen auch waehrend des Tages keine Moeglichkeit zum Trocknen und am folgenden Abend legten wir uns wieder mit froestelnden Fingern in ein klammes Zelt. Warum nur? Zum ersten Mal auf dieser Reise ueberkam mich ein richtig starkes Motivationstief und dennoch trat ich Tag fuer Tag weiter und weiter in die Pedale…
… bis wir die russisch-finnische Grenze am Mittag des 3.Oktobers erreichten. Da wurde das Wetter wenigstens ein wenig besser. Es hatte aufgehoert zu regnen. Ganz langsam riss der Himmel auf. Und dann kam die erste Kontrolle auf russischer Seite, als wir ins Grenzgebiet hineinfuhren. “Passport please.” Ich wuehlte in meiner Lenkertasche und brachte das in roten Stoff eingebundene, bereis sehr mitgenommene Heftchen zum Vorschein. Der Grenzbeamte blickte kurz drueber und gab es mir regungslos zurueck. Wir fuhren an, Sven und Hannes beschleunigten etwas schneller und als ich merkte, dass ich einen platten Vorderreifen hatte, waren sie bereits ausser Rufweite. Schoener Mist! Da half auch der Wetterwechsel nur wenig. Der Reifen musste geflickt werden.
![]() |
| Ein neuer Tag im Regen. |
Spaeter erreichten wir die richtige Grenze. Eine weitere Schranke verhinderte das Weiterkommen. Ein kurzer Reisepasscheck, dann waren wir auch schon ausgereist. Durch Zufall hatte die Grenzbeamtin auf der letzten Seite meine “Ausreisekarte” gefunden, diesen kleinen Zettel, den man bei der Einreise mit einem leuchtend orangem Stempel ausgehaendigt bekommt und auf den man so wahnsinnig gut aufpassen soll, damit man bei der Ausreise keine Schwierigkeiten bekomme. Die Frau nahm ihn gleichgueltig an sich und stempelte ihn ein weiteres Mal in orange. Die Bestaetigung der Registrierung in Russland interessierte dagegen niemanden mehr und ich besitze sie immer noch. Andere Leute, so hatten wir gehoert, bakamen grosse Probleme, wenn sie sie nicht vorweisen konnten. Dieser lockere Umgang mit unserer Ausreise verblueffte mich.
Auf einem breiten Fahrstreifen ausschliesslich fuer EU-Buerger rasten wir nun gehobener Stimmung der finnischen Grenze entgegen. Dieser Extrastreifen fuehlte sich bereits ein wenig nach Heimat an. Bald duerften wir sogar in Euros bezahlen. An der finnischen Grenze stellten wir die Raeder fuer einen kurzen Moment ab und liefen zur Passkontrolle in ein dafuer vorgesehenes Gebaude. Der Grenzbeamte sass hinter einem Schalter wenigstens einen Meter ueber mir und nahm meinen Pass entgegen. “EU-Buerger”, stellte er fest und gab mir das Heftchen ohne mit der Wimper zu zucken zurueck.
![]() |
| Einreise in die EU. |
Was hatte ich erwartet, dass er mich willkommen hiess, nachdem ich ein ganzes Jahr fort war? Kein Einreisestempel, nur ein kurzer Blick genuegte ihm, dann durfte ich weiter. Und das wars tatsaechlich. Auch draussen wurden wir nicht noch einmal kontrolliert. Keine Schranke war geschlossen. Es verwirrte ein wenig. Im naechsten Tankstellenrestaurant hielten wir und betranken unsere Ankunft mit in Euros bezahltem Tee und Kaffe. Und noch etwas hatte sich geaendert. Die Kassiererin sprach fliessendes Englisch und laechelte mich an, als sie mir das Wechselgeld zurueck gab.
Getrennter Wege nach Helsinki (3. – 5.10.)
Durfte man auf finnischer Seite zelten, fragten wir uns. Doch ob ja oder nein, wir wuerden zelten muessen, denn Helsinki lag noch mehr als 200 Kilometer entfernt. Wir brauchten nur noch Wasser, mit dem wir unser Abendessen kochen koennten und sahen uns um. Doch Dorfpumpen, wie in Russland schien es nicht mehr zu geben und so hielten wir in der Naehe einer kleinen Farm und nahmen die Metallflaschen vom Rad. Dann sahen wir uns um. Alles erschien irgendwie anders als noch vor ein paar Kilometern.
![]() |
| Finnische Felder. |
Woran lag das, gab es doch auch hier Holzhauser und kleine Waeldchen in der Naehe der Ostsee? Es waren die Felder, die sich klein und golden in die Landschaft schmiegten. In der Mitte grosse, graue Felsen, am Rad dichtes Buschwerk oder Wald. Daneben lagen die Gehoefte und um die Gehoefte spross ein gruener, frisch gemaehter Rasen. Ein paar Obstbaeume, rote Geranientoepfe, am Eingang ein Briefkasten und eine grosse Muelltonne. Wer hier wohnen mag?
Wir klopften an die Tuer, doch niemand meldete sich. Erst nach einigen Augenblicken fiel uns auf, dass die Klinges innerhalb des Glasvorbaues lag. So oeffneten wir die erste Tuer, traten ein und drueckten auf den Knopf. Ein altes Ehepaar oeffnete ein wenig erstaunt. Sie sprachen kaum Englisch, doch verstanden unser Anliegen bald. Wir wurden mit einem Laecheln eingelassen. Wie lange habe ich dieses einfache Laecheln vermisst, das einem wie selbstverstaendlich entgegengebracht wird. Leute koennen ueberall freundlich sein, doch ein Laecheln gehoert nicht in allen Kulturen dazu. Der aeltere Herr fuehrte uns die paar Schritte zum Badezimmer, dort drehte er den Hahn auf und wartete einen Moment. Aus der Tiefe des Grundstueckes wurde frisches, kuehles Wasser fuer uns hochgepumt und in Flaschen gefuellt.
![]() |
| Sie muessen riesig sein. |
Wir bedankten uns mit lauter Stimme, denn der Mann war schwerhoerig. Er antwortete mit den wenigen Worten auf Deutsch, die er kannte, und genoss unsere verdutzten Gesichter. Dann schloss er die Tuer hinter uns.
Zum Abend fanden wir ein nettes Plaetzchen in einem aufgeraeumten Nadelwald. Es war noch hell und so legten wir die Matrazen und nassen Planen zum Trocknen aus. Als es dunkler wurde begannen wir zu kochen und das Zelt einzuraeumen. Es war ein wenig getrocknet. Ein, zwei Radfahrer fuhren vorbei. Ein Jogger blickte auf und zwei Frauen schoben ihre Kinderwagen vorueber. Doch niemandem schien es komisch vorzukommen, dass wir hier uebernachten wollten. Nachdem auch ein Jaeger mit Gewehr ueber der Schulter nur einige Begruessungsworte gemurmelt hatte, schlief ich beruhigt ein.
Ich hatte bereits in den letzten Tagen gemerkt, dass mein rechtes Knie zunehmend schmerzte, doch an diesem Morgen, nach der Einreise nach Finnland, konnte ich kaum mehr treten. Es wurde schnell klar, dass es entweder eine schmerzhafte Tour in die finnische Hauptstadt weden wuerde oder ich in den Bus steigen musste. Doch zunaechst trat ich noch weiter, fuhr an einer Bushaltestelle, dann an der naechsten vorbei.
![]() |
| Mein Fahrrad im Herbst. |
Mein Knie gewoehnte sich an die Belastung und der Schmerz liess nach. Am fruehen Nachmittag, begann er von neuem und ich entschied: Ich wuerde den Bus nehmen muessen, die Strecke bis nach Helsinki war einfach noch zu weit. Und damit begannen sich unsere Rueckreiseplaene unaufhaltsam zu aendern, wenn gleich wir noch Hoffnung hatten, dass sich mein Koerper wieder beruhigen wuerde.
Sven und ich riefen Mikko, unseren finnischen Gastgeber an. Wir waren willkommen und damit verabschiedeten wir uns von Hannes und setzten uns fuer die letzten 140 Kilometer in den Bus. Hannes entschied sich die Strecke zu fahren und uebernahm das GPS-Geraet von Sven. Er winkte und als er am Abend sein Zelt in irgendeinem Wald vor Helsinki aufschlug, sassen Sven und ich noch immer im Bus und liessen die dunkle Landschaft an uns vorbeisausen. Hin und wieder erhellte ein warmes Licht die Fenster und man sah Familien beisammen sitzen und essen, Filme ueber den Fernseher flimmern oder Menschen vom Computer aufschauend in die schwarze Nacht blicken.
![]() |
| Buntes Treiben im Hafen von Helsinki. |
Helsinki (4.10. – 10.10.)
“Wollt ihr in die Sauna?”, begruesste uns Mikko. Es war fast Mitternacht als Sven und ich bei ihm ankamen. Der Bus hatte mitten in Helsinki gehalten und danach mussten wir noch einige Kilometer aus der Stadt hinausfahren. Doch Laternen erleuchteten die zahlreichen Fahrradwege. Wir kamen gut voran.
In Helsinki blieben wir eine Woche und fuehlten uns immer mehr so, als waeren wir bereits zu Hause angekommen. Es roch nach Ostseefisch, es gab Fahrradwege und weniger Schminke, ein freundliches Laecheln an der Kasse, Fahrradfahrer mit Helmen, Menschen mit erstaunlichen Englischkenntnissen und wir fanden Lidl sowie leider auch manche gesalzene Preise. Die Abende verbrachten wir mit Mikko. Wir unterhielten uns, gingen in die Sauna und spielten Carcassonne. Einmal besuchten wir aber auch Arto, den wir zuerst um Unterkunft angeschrieben hatten und der uns dann an Mikko weitervermittelt hatte, weil er keine Zeit hatte. Arto selbst hatte ebenfalls eine einjaehrige Radreise hinter sich und so hatten wir vieles an Erlebnissen auszutauschen, als wir uns an einem Abend trafen. Wir buken und assen zusammen Pizza und sassen fuer ein paar Stunden zusammen. Tagsueber sahen wir den Herrn der Ringe, bloggten oder besuchten die Innenstadt.
![]() |
| Phantastische Atmosphaere im Felsendom. |
Helsinki leuchtete in rot, gelb und gruen unter einer strahlenden Herbstsonne. Vom Wasser aus hatte man einen wunderschoenen Blick auf die Schaeren, Helsinkis vorgelagerte Inseln. Fischerboote duempelten an den Holzstegen.
In besonderer Erinnerung blieb mir der Fischmarkt in dem am Hafengelaende. Hier wurde weniger frischer Fisch verkauft, als einglegter Fisch genossen. Dazu fanden wir Staende mit Kuchen und Brot, sowie Kaffee und anderen Getraenken. Man kam hierher um einen Kanon aus Dueften zu geniessen, die fluechtig und leicht durch die klare Herbstluft schwebten. Die Menschen draengten sich an den Staenden. es wurde gerredet und gelacht und wer ein wenig mehr Geld uebrig hatte genoss den Hafenundblick von einer Holzbank auf einem Fischkutter, den dampenden Kaffee fest in der Hand.
Am meisten fasziniert aber waren wir von einer Kirche, die uns mal ein ganz anderes Gesicht zeigte. Die Tempeliaukio-Kirche wurde erst in den 1960ern gebaut. Doch ihr Grundriss ist in einen Granitfelsen hineingeschlagen. Das Dach allerdings ist glaesern und laesst das Tageslicht ungehindert eintreten. Oft werden hier Konzerte abgehalten, doch heute war es ruhig.
![]() |
| Dom von Helsinki. |
Fuer ein Weilchen setzten wir uns auf die Holzbaenke und lauschten den leisen Orchesterklaengen aus Lautsprechern.
Aufbruch aus Helsinki (11.10.)
Am 11.10. brachen wir endlich wieder auf. Die Faehre war gebucht, Mikko brachte uns zum Terminal und verabschiedete sich. Mein Knie begann bei der Fahrt zum Hafen erneut zu schmerzen. Jetzt begann ich mir wirklich Sorgen um die Organisation unserer Heimreise zu machen. Doch noch lagen ein paar Tage in Tallinn, der Hauptstadt Estlands vor uns.
| << zurück | weiter >> |















