Ende gut alles gut

Ein letzter Blick zurück…

(H) Hallo alle zusammen. Nun haben wir es doch noch geschafft, uns hinter die Tastatur zu klemmen :-) und einen kleinen Abschlussbericht zu verfertigen. Seit dem 26.10.2008 sind wir nun schon wieder in Deutschland und das hiesige Leben mit all seinen Freuden und Tücken hält uns in Atem. Doch zunächst der Reihe nach:

Das letzte Mal hatten wir uns aus Riga gemeldetm, wo wir bei Evren Unterschlupf gefunden hatten. Hier warteten wir einige Tage darauf, dass unsere Fähre Richtung Deutschland ablegte. So richtig zu tun hatten wir unterdessen nichts mehr. Die meiste Zeit hingen wir im Internet rum oder schauten uns ein wenig die schöne Altstadt an. An eimem Abend wurden wir auch aufs Köstlichtse von Evren bekocht. Es gab ein zypriotisches Kebab aus dem Holzofen im Zimmer unseres Gastgebers mit den entsprechenden Beilagen. Das schmeckte wunderbar :-) .

Evren macht zypriotisches Kebap.

Am Nachmittag des 24. war es dann aber soweit. Wir beluden ein letztes Mal zusammen die Räder und radelten aus der Stadt hinaus – Richtung Ostseekai. Merkwürdig, dass eine mittlerweile so alltägliche Sache, wie der gemeinsame Aufbruch mit dem Rad, nun bald nicht mehr sein sollte…
Die Fähre fanden wir ohne Probleme und checkten ein. Wir waren die einzigen Passagiere, die keine Schlafkabine gebucht hatten, sondern je einen Sitzplatz im Sammelabteil. Dieser Umstand verschaffte uns aber immerhin den Vorteil, dass wir das Abteil zu unserem eigenen, panz privaten und abschliessbaren Reich erklären konnten. Also rollten wir wie gewohnt unsere Matten auf dem Fussboden aus und richteten es uns gemütlich ein. Die nächsten 1,5 Tage ließen wir es uns wohlsein. Kinder, was war das für ein Luxus! Drei warme Mahlzeiten am Tag im Preis inbegriffen und dazu soviel Nachschlag wie man vertragen konnte. Sven und ich lagen mehr als einmal mit gerundeten Bäuchen japsend in der Ecke. Aber wer weiß, wann man wieder ewas kriegen würde ;-) .

Partyabend in Riga.

Wenn wir nicht gerade assen oder Karten spielten, unterhielten wir uns mit einigen der Passagiere. Die meisten von ihnen waren Fernfahrer, die die Maut auf polnischen Strassen umschipperten und ihre freien Tage auf See genossen. Kurz vor unserer Ankunft allerdings geriet die Ruhe an Bord für einige Augenblicke brutal aus dem Gleichgewicht, als zwei besoffene, russische Passagiere wie aus dem Nichts mit einer Schlägerei begannen. Der Schwächere ging schnell zu Boden, doch der zweifelhafte Sieger gab sich keinesweg damit zufrieden und trat seinem Kontrahenten mit vollem, ungezügeltem Zorn noch einmal auf den Schädel. Sven und ich hatten die Auseinandersetzung als einizige gesehen, waren aber nicht schnell genug um eingreifen zu können. Erleichtert erfuhren wir später, dass das viele Blut auf Boden und Kleidung „lediglich“ von einem Nasenbruch und nicht von einer schweren Kopfverletzung des Unterlegenen herrührte. Trotzdem blieb ein bitterer Nachgeschmack zurück. Nicht zuletzt dehalb, weil dieses Erlebnis so kurz vor dem Ende unserer Reise, die bei weitem brutalste Begebenheit war, die wir während der gesamten sechzehnmonatigen Radtour mitanschauen mussten.

Wir sind überall zu Hause.

Am Morgen des 26.10. war es dann soweit: Die Fähre legte im travewmünder Hafen an und wir rollten ein letztes Mal in ein neues Land ein. Wir wussten, dass uns unsere Familien am Hafenausgang erwarteten. Deshalb freuten wir uns riesig. – Auf der einen Seite. – Auf der anderen wäre v.a. ich am liebsten wieder umgekehrt. Zu gross schien mir auf einmal der Schritt, wieder zu Hause und nicht mehr unterwegs zu sein. Aber natürlich kehrten wir nicht um ;-) , sondern rollten aus dem Hafen (Video), wo wir stürmisch Willkommen geheissen wurden. Selbst Judiths älterer Bruder war extra aus Frankreich angereist, um sie zu empfangen. Wie man sich vorstellen kann, entstand ein grosses Knäuel aus sich umarmenden und herzenden Menschen, die gar nicht voneinander lassen konnten. Dann bekamen wir zum allerletzten Mal eine kleine Verschnaufpause, als unser Empfangskomitee schon mal mit dem Auto zu Judiths Eltern nach Lübeck vorfuhr. Nur wir drei rollten vollbepackt die letzten 15km in die Stadt und hatten genau die Zeit, die wir brauchten, um uns noch einmal zu vergegenwärtigen: „Mensch, wir sind da!“ Wir witzelten darüber, dass der erste deutsche Satz, den wir noch im Hafengebiet gehört hatten: „Das Licht machen Sie aber an, meine Herrschaften !“, gelautet hatte. Da gibt man sich solche Mühe, sich von allen Klischees sämtlicher Länder reinzuwaschen und dann sowas! ;-) .

Zähneputzen zwischen Travemünde
und Lübeck.

Den restlichen Tag verlebten wir in trauter Familienatmosphäre. Was soll man sagen, es fühlte sich an wie … wie es sein sollte, ganz normal und herzlich. Zu Hause eben.

Was wird bleiben von dieser Reise? Ganz viele Bilder natürlich. In unseren Köpfen, unseren Herzen und auf unseren Festplatten :-P . Ausserdem das Bewusstsein, dass die Welt so viel kleiner ist, als man sie sich vorstellt. Denn ist man nur ein wenig neugierig und will wissen, wie die Welt wohl anderswo aussieht, dann ist es gar nicht so schwer, einfach dorthin zu fahren, vielleicht auch zu fliegen und nachzuschauen. Dennoch kann die Welt aber auch soviel grösser sein als man denkt: So vieles haben wir gesehen, von dem wir vorher überhaupt nicht wussten oder nicht glaubten, dass es existiere. Man denke nur an unsere Erfahrungen in der Türkei: Die unglaubliche Gastfreundschaft allerorts und unsere Erfahrungen im strenggläubigen Erzerum. Oder wer hat vorher schon etwas von den Yi gehört? Eines der vielen, vielen Völker im Süden Chinas. Auch die Tschadors im Iran, die unglaubliche Farben-, Religions- und Menschenvielfalt in Indien und nicht zuletzt die endlosen Weiten der Gobi werden uns immer gegenwärtig bleiben.

(H, S, J) Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich bei all unseren Lesern bedanken. Über jeden einzelnen eurer Gästebucheinträge haben wir uns sehr gefreut – ganz ehrlich! – und es ist schön zu wissen, dass es immer noch den einen oder anderen gibt, den auch noch das Ende unserer Reise interessiert. Eure Kommentare, Wünsche und Grüße haben uns immer wieder motiviert weiter zu schreiben. Mit der Zeit haben wir uns deshalb auch immer mehr Mühe gegeben und sehr viele Tage in den Internetcafés dieser Erde verbracht. Hannes Mutter witzelte nicht ganz zu Unrecht, dass sie mehr von seinem Leben während der Reise erfahren habe, als sie es vorher von seinem Alltag in Deutschland wusste.

Simulierte Ankunft im Juli 2007.

Wir bedanken uns auch bei all den Menschen, die uns trotz großer Bedenken und Sorgen unermüdlich unterstützt haben. Es ist, als trüge man immer ein Stück „Zu Hause“ mit sich herum, wenn man erfährt, dass es Menschen gibt, die einen lieben und auf die man sich in jeder Lebenslage verlassen kann. Dieser Dank gilt insbesondere unseren Eltern, aber auch den Geschwistern, Großeltern und -tanten und vielen Verwandten und Freunden.

Dass es überall auf der Welt Menschen gibt, die einen mit großer Gastfreudshaft und Anteilnahme aufnehmen, ist eine besonders schöne Erfahrung dieser Reise. All diesen Menschen wollen wir an dieser Stelle für ihre Mühen danken. Mit manchen werden wir bestimmt in Kotakt bleiben.

Alle, die sich jetz noch nicht angesprochen fühlen, denen wir aber viele schöne Erlebnisse und Erinnerungen zu verdanken haben, möchten wir ebenso danken.

In diesem Sinne:

:-) GANZ HERZLICHEN DANK EUCH ALLEN! :-)

Echte Ankunft Oktober 2008.

(H) Das ist der letzte unserer Berichte und unser Reisetagebuch endet hier. Judith und Sven sind bereits fast wieder in Göttingen sesshaft geworden und haben ihre ganz eigenen, großen Pläne. Sven hat bereits in seiner alten Arbeitsgruppe zu promovieren begonnen und Judith freut sich aufs Referendariat im nächsten Jahr. Ich selbst rotiere wie ein Brummkreisel und bin gespannt in welche Richtung es weiter gehen wird. So lebt ein jeder wieder glücklich und zufrieden :-) .

ENDE

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